Steckbrief🔴Cyanid (Blausäureverbindungen)Cyanide (Salze der Blausäure, HCN) gehören zu den gefährlichsten bekannten Zellgiften. Sie hemmen die Zellatmung durch Blockade der Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien und führen innerhalb kürzester Zeit zu einer inneren Erstickung – führen trotz Sauerstoffversorgung zu einer inneren Erstickung (Zellhypoxie). Cyanide entstehen in Industrieprozessen, aber auch natürlich aus cyanogenen Glycosiden in Bittermandeln, Aprikosenkernen oder Maniok.
Mögliche Bezeichnungen / Verbindungen✏️ Zyanid / Cyanid / Blausäure / Hydrogenzyanid (HCN)
✏️ Kaliumcyanid (KCN), Natriumcyanid (NaCN)
✏️ Cyanwasserstoff / CN⁻
✏️ Bittermandelöl (veraltet)
✏️ Amygdalin / Laetril (cyanogene Glykoside, umstritten als Vitamin B17)
Chemische Struktur und Eigenschaften➡️ Hauptkomponente: Hydrogenzyanid (HCN)
➡️ Summenformel: HCN
➡️ Molare Masse: 27,03 g/mol
➡️ Struktur: Dreigliedriges Molekül (H–C≡N), lineare Anordnung
➡️ Farbe: farblos
➡️ Geruch: Bittermandelartig – genetisch bedingte Wahrnehmung (ca. 20 % der Menschen ohne Geruchssinn für HCN)
➡️ Löslichkeit: Gut wasserlöslich, besonders in alkalischem Medium
➡️ Stabilität: Flüchtig, leichtentzündlich, stark reaktionsfreudig (z. B. mit Alkalimetallen oder Säuren)
➡️ Quelle: Industrielle Synthese oder Freisetzung aus cyanogenen Pflanzenstoffen wie Linamarin (z. B. in Maniok).
ADI-Wert bzw. Höchstgrenze
❌ Kein ADI-Wert
☠️ Toxische Dosis: Bereits ab ca. 1,5 mg/kg Körpergewicht tödlich
🌊 WHO-Grenzwert für Trinkwasser: 0,07 mg/l
Zulassung und VerwendungZulassung für:
❌ Lebensmittel – verboten
❌ Arzneimittel – nicht zugelassen
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✅ Industrieeinsatz (Metallverarbeitung, Pestizide etc.)
Verwendung für:
⚙️ Metallgewinnung, Galvanik
🔥 In Rauchgasen (z. B. bei Bränden von Kunststoffmaterialien)
🧪 Als Hilfsstoff in Lacken, Emulsionen, Kunststoffen
☠️ Früher in Schädlingsbekämpfung (z. B. Zyklon B)
🌱 Natürlich in bittermandelhaltigen Pflanzen (Amygdalin)
💥 Organische Syntheseprozesse
Gesundheitliche Risiken & Erste Hilfe🔤 Akuttoxizität
🔤 Hemmung der Zellatmung (Cytochrom-c-Oxidase)
🔤 Symptome: Kopfschmerz, Benommenheit, Atemnot, Krämpfe, Bewusstlosigkeit
🔤 Inneres Ersticken trotz Sauerstoffzufuhr („Zellhypoxie“)
🔤 Hautkontakt mit Salzen oder Einatmen von Dämpfen kann tödlich sein
Besonderheiten der Erste Hilfe
❌ Kein Erbrechen herbeiführen – Kann zur Verätzung, Einatmung (Aspiration) und rascherer Giftaufnahme führen – daher unbedingt vermeiden!
Antidote (Gegenmittel bei Vergiftung)
💊Hydroxocobalamin (Vitamin B12a): Bindet Cyanid zu Cyanocobalamin (harmlos)
💊Natriumthiosulfat: Fördert körpereigene Entgiftung über Rhodanase
💊 Natriumnitrit: Bildet Methämoglobin, das Cyanid bindet – medizinisch kritisch zu dosieren
Bei Verdacht auf Cyanidvergiftung: Notruf 112, Zugang zu 100 % Sauerstoff
Regulierung und Grenzwerte🇪🇺 EU
➡️ Verbot als Lebensmittelzusatz
➡️ Grenzwert für Blausäure in Steinobstprodukten (z. B. Aprikosenkernenpaste)
➡️ Verbot in Bio-Landbau
➡️ Arbeitsschutzvorgaben bei industrieller Verwendung
🇩🇪 Deutschland
➡️ Einstufung als Gefahrstoff
➡️ Warnhinweise bei bittermandelhaltigen Produkten bei Überschreitung von Schwellenwerten
➡️ Überwachung durch BfR, Umweltbundesamt, Gewerbeaufsicht
🌍 International
🇺🇸 USA: Amygdalin-Produkte als Nahrungsergänzung verboten
FazitCyanid ist ein hochgiftiger Zellatmungshemmer mit extrem niedrigem Grenzwert. Bereits geringste Mengen sind potenziell tödlich.
Pflanzliche Vorstufen wie Amygdalin kommen natürlich in bitteren Kernen vor und führen nur bei unsachgemäßer Einnahme oder Überdosierung zu Vergiftungen. Beim normalen Verzehr von Obst (inkl. gelegentlich verschluckter Kerne) besteht bei gesunden Menschen kein relevantes Risiko – problematisch sind hochkonzentrierte Extrakte oder missverstandene Heilversuche.
Quellen: BfR, ECHA, MAK-Kommission, Bundesärztekammer, PubChem, WHO Cyanide Monograph, FDA
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