🟠 Candida parapsilosis | opportunistischer Hefepilz
Candida parapsilosis ist ein fakultativ pathogener Hefepilz aus der Gattung Candida, der zur normalen Hautflora des Menschen gehört. Während er bei gesunden Personen in der Regel harmlos bleibt, kann er bei vulnerablen Gruppen – insbesondere bei Frühgeborenen, immungeschwächten Patienten oder Trägern invasiver medizinischer Systeme – schwere systemische Infektionen auslösen.
Biologische Struktur und Eigenschaften
👉 Gattung: Candida
👉 Ordnung: Saccharomycetales
👉 Morphologie: Oval bis ellipsoid, teils mit Pseudohyphenbildung
👉 Reproduktion: Ungeschlechtlich durch Knospung
👉 Besonderheit: Bildet Biofilme auf Kunststoffen und medizinischen Oberflächen
👉 Temperaturbereich: Wächst gut zwischen 25 °C und 37 °C
👉 Nachweis: Mikroskopie, Kultur, PCR, MALDI-TOF
Vorkommen und Quellen
🔤 Hauptsächlich in:
• Hautflora (v. a. Hände, Leisten, Intertrigobereiche)
• Schleimhäuten (vaginal, gastrointestinal)
• Medizinischen Geräten (z. B. Katheter, Infusionen)
• Neonatalstationen, Intensivstationen
🔤 Hohe Umweltstabilität – Übertragung vor allem über Hände und kontaminierte Oberflächen
🔤 Häufiger nosokomialer Erreger (Krankenhauskeim)
Gesundheitliche Risiken und Toxizität
🔤 Infektiöse Erkrankungen
🔻 Invasive Candidiasis (Blutstrominfektion, Sepsis)
🔻 Katheter-assoziierte Infektionen (v. a. bei zentralvenösen Zugängen)
🔻 Endokarditis, Peritonitis, Osteomyelitis
🔻 Neonatale Fungämie mit Organbeteiligung (z. B. Lunge, Leber, ZNS)
🔤 Risikogruppen
🔻 Frühgeborene / Neugeborene
🔻 Patienten mit zentralvenösen Kathetern
🔻 Immunsupprimierte (z. B. Chemotherapie, Organtransplantation)
🔻 Parenteral ernährte Patienten, dialysepflichtige Personen
🔤 Besondere Problematik
🔻 Stark ausgeprägte Biofilmbildung → erschwerte Eradikation
🔻 Geringere Empfindlichkeit gegenüber Echinocandinen im Vergleich zu Candida albicans
🔻 Umweltpersistenz erhöht Risiko der Reinfektion und Kreuzkontamination
Diagnostik und Behandlung
🔬 Diagnoseverfahren:
👉 Blutkultur, Speziesdifferenzierung via PCR / MALDI-TOF, Antigen- und Antikörpertests
💊 Therapieoptionen:
👉 Fluconazol (oft wirksam, jedoch resistenzgeprüft)
👉 Liposomales Amphotericin B
👉 Alternative: Voriconazol / posakonazol bei komplizierten Verläufen
Monoresistenzen möglich – Empfindlichkeitstestung erforderlich
👉 Entfernung kontaminierter Katheter zwingend erforderlich
Prävention und Hygienemaßnahmen
🔸 Strikte Händehygiene im klinischen Alltag
🔸 Aseptisches Management von Kathetern und Infusionen
🔸 Geräte- und Flächenhygiene in Intensiv- und Neonataleinheiten
🔸 Surveillanceprogramme zur Früherkennung nosokomialer Candida-Infektionen
Regulierung und Meldewesen
🇪🇺 ECDC-Surveillance (HAI-Net ICU, EARSS-AMR)
Candida parapsilosis wird regelmäßig im Rahmen der ECDC-Krankenhauserfassung nosokomialer Infektionen (HAI-Net) erfasst – insbesondere:
• bei Blutstrominfektionen auf Intensivstationen
• im Zusammenhang mit zentralvenösen Kathetern
Der Erreger wird in den ECDC-Datenbanken nach Spezies und Antimykotika-Empfindlichkeit differenziert erfasst.
🇩🇪 Deutschland
👉 Meldepflicht bei invasiver Candidiasis auf Intensivstationen gemäß § 6 IfSG (bundeslandabhängig)
👉 Erfassung über KRINKO-Empfehlungen und nationale Surveillance-Systeme wie KISS (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System)
🌍 International
👉 ECDC und CDC führen Candida parapsilosis als relevanten nosokomialen Erreger mit zunehmender Bedeutung
👉 In internationalen Studien regelmäßig identifizierter Stamm bei Neonatal-Fungämien und Katheterinfektionen
Fazit
Aufgrund seiner Biofilmbildung, Umweltpersistenz und eingeschränkten Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Antimykotika stellt er ein relevantes Risiko in intensivmedizinischen und neonatalen Bereichen dar. Konsequente Hygiene, Surveillance und frühzeitige Diagnostik sind entscheidend zur Vermeidung schwerer systemischer Infektionen.
Quellen: RKI, CDC, ECDC, DGPI, ESCMID, KRINKO-Empfehlungen, mycobank.org
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