🟥 Cochenillenrot A – E120
Cochenillenrot A (Karmin) ist ein roter Farbstoff tierischen Ursprungs, gewonnen aus getrockneten Weibchen der Schildlaus Dactylopius coccus. Hauptwirkstoff ist Karminsäure, ein Anthrachinon-Derivat. Eingesetzt wird E120 in Lebensmitteln, Kosmetika und Arzneimitteln.
Mögliche Bezeichnungen
✏️ E120
✏️ Karmin
✏️ Karminsäure
✏️ Cochenille
✏️ Natural Red 4
✏️ CI 75470 (Kosmetika)
✏️ Carmine / Carmine Lake (engl.)
✏️ vereinzelt auch: Karminrot
Chemische Struktur und Eigenschaften
➡️ Hauptkomponente: Karminsäure
➡️ Summenformel: C₂₂H₂₀O₁₃
➡️ Molare Masse: 492,39 g/mol
➡️ Farbspektrum: Hellrot bei pH < 4, Purpurviolett bei neutralem bis basischem Milieu
➡️ Quelle: Extrakt aus getrockneten Cochenille-Läusen
➡️ Löslichkeit: Gute Löslichkeit in Wasser bei saurem pH, in Alkohol mäßig löslich
➡️ Stabilität: Licht- und temperaturstabil, empfindlich gegenüber Metallionen, oxidativ instabil bei Kontakt mit Eisen-, Kupferionen
➡️ ADI-Wert bzw. Höchstgrenze
EFSA: 5 mg/kg Körpergewicht und Tag
Teilweise „quantum satis“ in Produktgruppen
Zulassung und Verwendung
Zulassung für:
✅ Lebensmittel (E120)
✅ Kosmetika (CI 75470)
✅ Arzneimittel
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❌Nicht für Bio-Produkte (EU-Öko-Verordnung)
Verwendung für
🍬 Fruchtgummis, Joghurts, Süßwaren
♒️ Sirup, Limonade
💋 Lippenstift, Rouge, Haarfarbe
💊 Farbkapseln in Medikamenten
Gesundheitliche Risiken und Toxizität
🔤 Allergiepotenzial
Pseudoallergene Wirkung durch Mastzellaktivierung
Symptome: Hautausschlag, Atemnot, Urtikaria
Risikogruppen: Asthmatiker, chronische Urtikaria, Histamin- und Salicylatsensitivität
Ethik & Verträglichkeit
🔤 Nicht vegan, nicht vegetarisch
🔤 Religiös problematisch (Judentum, Islam, Hinduismus)
🔤 Verbrauchertäuschung durch Sammelbezeichnung „natürlicher Farbstoff“
Toxikologische Bewertung
🔤 Keine Genotoxizität oder Kanzerogenität
🔤 Reversible Pigmenteinlagerung in Leber/Milz bei Tieren
🔤 Aufnahme über Lippenstifte möglich, aber selten berücksichtigt
Langzeit- und Kumulationsrisiken
🔤 Exposition über mehrere Quellen möglich (Lebensmittel, Kosmetik, Arznei)
🔤 Kombinationsrisiko mit Benzoaten, Alkohol, Stressfaktoren
🔤 Wiederholte Reizung von Schleimhautbarrieren (z. B. Darm, Bronchien, Nasenschleimhaut) durch kumulierte Histaminfreisetzung.
Abbauprodukte und Metaboliten
🔤 Potenziell reaktive Zersetzungsprodukte bei Erhitzung / Lagerung in sauren Medien
🔤 Toxikologische Datenlage unzureichend
🔤 Technologische Rückstände und Trägerstoffe
Komplexierung mit Kalium-/Aluminiumsalzen
🔤 Lösungsmittelrückstände aus der Extraktion möglich
🔤 Beschichtung mit Talkum, PEGs oder Silikaten denkbar
Vulnerable Gruppen (erhöhtes Risiko)
🔤 Kinder (u.a. mit ADHS, neuroimmunologischen Störungen), Asthmatiker, histaminempfindliche Personen
🔤 Personen mit chronischer Entzündung oder Leber-/Darmbelastung
🔤 Schwangere: keine gezielte Risikoprüfung – Vorsicht empfohlen
Migrationsrisiko
🔤 Migration aus Druckfarben auf der Rückseite von Blisterverpackungen in Tablettenmulden möglich.
🔤 Bei äußerlicher Anwendung keine Deklarationspflicht → Verwechslungsrisiko
Regulierung und Grenzwerte
🇪🇺 EU
➡️Zulassung gemäß VO (EG) Nr. 1333/2008
➡️Deklarationspflicht als „E120“, „Karmin“ oder „Cochenille“
➡️CI 75470 in Kosmetika – deklarationspflichtig
🇩🇪 Deutschland
➡️Anwendung ohne Höchstmengen in bestimmten Gruppen („quantum satis“)
➡️Empfehlung zur Allergenkennzeichnung
🌍 International
🇺🇸 USA: Als „Carmine“ zugelassen, deklarationspflichtig
🌍Halal/Koscher-Status umstritten, abhängig von Verarbeitung
🇮🇳 Indien: nicht für vegane Produkte zugelassen
Fazit
Cochenillenrot A ist ein intensiver Farbstoff mit hoher Allergenität, ethischer Problematik und unzureichender Verbraucherauszeichnung. Die gleichzeitige Aufnahme aus verschiedenen Produktkategorien wird kaum berücksichtigt.
Quellen: Zusatzstoffeliste; Zusatzstoffemuseum; bzfe; Food-Detektiv
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