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Jahrzehntelang hat man Frauen vertröstet. Bei gleichem Lohn, bei der Rente, in der Teilzeitfalle hieß es immer: Geduld, das kommt noch. Jetzt ist es da. Außenminister Wadephul liefert die Gleichstellung endlich, und zwar ausgerechnet dort, wo gestorben wird.
Man solle keinen Unterschied mehr zwischen Frauen und Männern machen, sagt er. Das wolle die Gesellschaft ja allgemein nicht mehr. Welch ein Fortschritt. Die Tochter erhält endlich dasselbe Recht wie der Sohn.
Gemeint ist nicht das Recht, ehrenvoll zu „fallen“, wie es in den Sonntagsreden heißt. Gemeint ist das Recht, im Schlamm einer fremden Front von einer Granate zerrissen zu werden. So gründlich, dass nichts mehr übrig ist, was man der Mutter zeigen könnte. Heim kommt dann ein verschlossener Zinksarg, eine Fahne und ein Brief mit Dank für den Dienst am Vaterland. Unterschrieben von jemandem, der an diesem Tag pünktlich zu Abend gegessen hat.
Das ist die Gleichberechtigung, die gerade verhandelt wird.
Laut seinem offiziellen Lebenslauf ist Johann Wadephul verheiratet und hat drei Töchter.
Also, Herr Minister, eine einfache Frage: Stehen die drei bei der ersten Musterung in der ersten Reihe? Oder gilt die Gleichberechtigung wie üblich nur für die Kinder derer, die keinen Dienstwagen haben?
Ein Problem gibt es noch. Das Grundgesetz verbietet es, Frauen zum Dienst an der Waffe zu zwingen. Artikel 12a, Absatz 4. Geschrieben von Menschen, die zwei Weltkriege, Bombennächte und Massengräber hinter sich hatten. Sie wussten, wovon sie sprachen.
Heute sollen Berufspolitiker, deren größte Lebenserfahrung der Weg vom Hörsaal über den Ortsverband in den Bundestag war, diesen Satz korrigieren. Wadephul hat bereits angekündigt, dass man über eine Änderung bald reden werde. Das Muster ist bekannt: erst ein Satz in die Kamera, dann wird gemessen, wie laut der Protest ist, und am Ende ist das Undenkbare Gesetz.
Man würde jetzt gern das Wort hinschreiben, das an vielen Küchentischen zu diesem Vorschlag fällt. Es wäre kurz, treffend und nur ein Beitrag. Und um sechs Uhr morgens stünde man im Bademantel im Flur, während Beamte das Handy eintüten.
Deshalb steht es hier nicht. Das ist der Zustand dieses Landes: Man muss sich überlegen, wie man über die Leute redet, die einem gerade erklären, dass man notfalls für sie sterben soll.
Ein Staat, der seine Bürger wegen Meinungen durchsucht, will ihnen nun erklären, wofür sie an die Front sollen. Das Vertrauen ist längst verspielt. Was bleibt, sind Durchhalteparolen und Durchsuchungsbeschlüsse.
Tobias Riemenschneider sagt, was jedem Vater und jeder Mutter klar sein sollte: Eine Gesellschaft, die ihre Töchter an die Front schickt, um ein Gleichheitsprinzip zu erfüllen, hat den Menschen dem Prinzip geopfert.
Man muss kein Pastor sein, um das zu begreifen. Es genügt, ein Kind zu haben.
Teilen, bevor aus dem Testballon Gesetz wird.
Euer Rainer Taufertshöfer
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