LUNGENPEST IST NICHT BEULENPEST
Zu meinem gestrigen Beitrag noch eine medizinische Einordnung, weil beide Begriffe gerade häufig durcheinandergehen.
Beulenpest entsteht meist nach dem Stich eines infizierten Flohs. Typisch sind stark geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch spielt dabei normalerweise kaum eine Rolle.
Lungenpest ist etwas anderes. Hier befällt Yersinia pestis die Lunge und kann über infektiöse Atempartikel direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Sie gehört zu den aggressivsten bakteriellen Infektionen überhaupt. Innerhalb kürzester Zeit können schwere Lungenentzündung, Atemnot, Sauerstoffmangel, Sepsis, Kreislaufschock und Multiorganversagen entstehen.
Unbehandelt verläuft die Lungenpest praktisch immer tödlich. Ein tödlicher Verlauf kann bereits innerhalb von 18 bis 24 Stunden nach Beginn der Erkrankung eintreten. Deshalb ist eine möglichst frühe antibiotische Behandlung entscheidend.
Genau deshalb ist die Frage, was in Sibirien tatsächlich passiert ist, keine Nebensache.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass dort Lungenpest nachgewiesen wäre. Das ist bislang gerade nicht belegt.
Aber wer Tschernobyl und die damalige sowjetische Informationspolitik kennt, weiß auch, warum bei widersprüchlichen offiziellen Mitteilungen Aufmerksamkeit angebracht ist.
Keine Panik. Keine vorschnellen Behauptungen. Aber auch kein blindes Vertrauen.
Beobachten. Vergleichen. Widersprüche festhalten.
Euer Rainer Taufertshöfer
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