⚖️ Aus der Union kommt zum ersten Mal der Satz, den Berlin nicht hören will: Das Wahlergebnis gilt.
Bericht von Verschwörungen
Alexander Räuscher, bis vor wenigen Tagen CDU-Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt, empfiehlt seiner Partei, Ulrich Siegmund (AfD) zum Ministerpräsidenten zu wählen. „Das Wahlergebnis verlangt, dass Herr Siegmund Ministerpräsident wird. Die CDU sollte seine Wahl ermöglichen“, sagte er dem Tagesspiegel. Die Wahl im Landtag ist für Dezember angekündigt. Die CDU solle dort für Siegmund stimmen, „nicht, weil wir seine Fans wären, sondern, weil es das Wahlvolk will“.
Leicht fällt ihm der Schritt nicht, das sagt Räuscher offen. „Ich hätte Bauchschmerzen, Siegmund im Landtag zu wählen, aber ich würde es tun. Da müssen wir jetzt durch.“ Sein Motiv ist dabei alles andere als freundlich. „Ich will erleben, wie Herr Siegmund ein Wahlversprechen nach dem anderen abräumen muss, und seine Wähler enttäuschen wird.“
Über den AfD-Fraktionschef selbst fand Räuscher harte Worte. Siegmund sei „ein Drückeberger“ und wolle „in Wahrheit“ gar nicht regieren. Als Beleg nennt Räuscher, dass Siegmund sich nur einem ersten Wahlgang stellen will. Man kann das auch anders lesen: Wer nur im ersten Wahlgang antritt, verlangt eine klare Mehrheit und will kein Zufallsergebnis aus dem dritten Durchgang.
Hinter der scharfen Wortwahl steckt eine einfache Rechnung, die in der CDU bisher kaum jemand laut ausspricht. Die AfD hat die Landtagswahl gewonnen, die CDU hat danach angekündigt, in die Opposition zu gehen. Die SPD hat ihre Initiative für eine „überparteiliche“ Regierung an der AfD vorbei am Mittwoch für beendet erklärt. Landeschefin Juliane Kleemann sagte, „die Grundlage für weitere Gespräche“ sei „weg“, und: „Wir werden niemandem hinterherlaufen.“ Eine Mehrheit ohne die AfD ist damit nicht in Sicht.
Auch zur Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum Landtagspräsidenten hat Räuscher eine Meinung. Rausch hatte am Dienstag vier Stimmen mehr bekommen, als AfD und BSW zusammen haben.
„Wir können nur spekulieren, wo die zusätzlichen vier Stimmen für Herrn Rausch herkommen“, sagte Räuscher. „Meines Erachtens kommen sie teils von der CDU, teils aus dem links-grün-roten Lager. Die nämlich wollen mit dem Finger auf uns, die CDU, zeigen.“
Die Frage, die Räuscher aufwirft, trifft den Kern der Brandmauer. Wenn die Wähler eine Partei klar vorn sehen und alle anderen keine Mehrheit zustande bringen, was bleibt dann übrig? Monatelange Blockade, eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen, bis das Ergebnis passt? Und was sagt es über das Verhältnis der Berliner Parteizentralen zu den Wählern im Osten, wenn ein Satz wie „weil es das Wahlvolk will“ schon als Tabubruch gilt?
In der CDU-Spitze dürfte der Vorstoß wenig Freude auslösen. Der Arbeitnehmerflügel der Partei fordert gerade Parteiausschlussverfahren gegen Abgeordnete, die AfD-Kandidaten wählen. Räuscher sitzt nicht mehr im Landtag und kann im Dezember selbst nicht abstimmen. Bis dahin wird sich zeigen, ob er eine Einzelstimme bleibt oder ob andere in der CDU-Fraktion ihm folgen.
📰 Quellen: Tagesspiegel (mit AFP), 08.10.2026; Apollo News, 08.10.2026; Tagesspiegel, 07.10.2026
📌 Faktenbox
①Räuscher bis vor Kurzem CDU-Abgeordneter
②„Weil es das Wahlvolk will“
③Wahl im Dezember angekündigt
④SPD beendet Gespräche ohne AfD
⑤CDU kündigte Opposition an
⑥Räuscher vermutet Zusatzstimmen teils links
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t.me/GeheimesWissenDerEliten