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Ohne Bargeld bist du gläsern

Von der SVP bis zu den Grünen verlangen Nationalräte vom Bundesrat Klarheit – und warum Münzen aus Kupfer dem Menschen guttun

Das Parlament ringt erneut um die Zukunft des Bargelds. Immer mehr Angebote – vom Postauto über öffentliche Toiletten bis zu Läden und Parkhäusern – setzen auf Karte, Twint oder App. Nationalräte quer durch die Parteien verlangen vom Bundesrat nun konkrete Antworten, wie Menschen geschützt werden, die digital nicht zahlen können oder wollen. Der Schweizer Franken steht zwar in der Verfassung, das Bargeld als alltägliches Zahlungsmittel ist damit aber nicht gesichert. SVP-Nationalrat Roman Hug fragt nach einer angeblichen Strategie der Alliance SwissPass, den Barverkehr im öffentlichen Verkehr stillschweigend abzuschaffen. Die Grüne Manuela Weichelt erinnert Verkehrsminister Rösti an sein eigenes Wort von 2024.

Was es bedeutet, wenn das Bargeld verschwindet

Ohne Scheine und Münzen bleibt keine Transaktion mehr anonym. Banken, Zahlungsanbieter und letztlich der Staat können nachvollziehen, wer wann was kauft. Die Privatsphäre schwindet, die Kontrolle über das eigene Geld wandert an Systeme, die ausfallen können. Bei Stromausfall, Netzstörung oder Cyberangriff steht der Zahlungsverkehr still. Wer dann kein Bargeld hat, kann weder einkaufen noch den Bus nehmen. Bargeld ist das einzige Mittel, das ohne Strom, Internet und Konto funktioniert. Sein Verschwinden macht die Gesellschaft verwundbar und den Einzelnen abhängig – von Technik, von Gebühren und von jenen, die die Systeme betreiben. In Krisen greifen Menschen erfahrungsgemäss wieder zu Noten und Münzen. Wer sie vorher abgeschafft hat, steht dann ohne Reserve da.

Kupfer tut dem Menschen gut

Gerade die Münzen, die oft als unhygienisch gelten, enthalten Kupfer. Dieses Metall wirkt antimikrobiell: Bakterien und Viren überleben darauf kaum, im Gegensatz zu Scheinen oder Touchscreens. Kupfer tötet Keime ab – ein natürlicher, stofflicher Schutz, der dem Menschen ausschliesslich zuträglich ist. Wer Bargeld abschafft, verzichtet nicht nur auf Anonymität und Krisensicherheit, sondern auch auf diesen einfachen hygienischen Vorteil, den keine App ersetzen kann.

Wer den Anschluss verliert

Kinder ohne eigene Karte, ältere Menschen, die mit Apps fremdeln, Randständige ohne Bankkonto und Touristen, deren ausländische Karten nicht akzeptiert werden oder hohe Gebühren verursachen, stehen vor verschlossenen Türen. In Graubünden berichten Betroffene bereits, dass sie den öffentlichen Verkehr und öffentliche Toiletten nicht mehr nutzen können. Eine Rentnerin hat dort eine kantonale Initiative mit über 15 000 Unterschriften eingereicht – nötig gewesen wären 3000. Auslöser war, dass sie ihr Postauto-Billett nicht mehr bar lösen konnte. Wer kein Konto, kein Smartphone oder keine funktionierende Karte hat, wird vom alltäglichen Leben abgeschnitten.

Warum Betriebe cashless bevorzugen – und was sie dafür opfern

Geschäfte und Verkehrsbetriebe argumentieren mit weniger Diebstahlrisiko an der Kasse, schnellerer Abwicklung und geringerem Zähl- und Transportaufwand. Digitale Zahlungen lassen sich leichter verbuchen. Doch die Kehrseite ist real: Gebühren an Zahlungsdienstleister, Abhängigkeit von deren Technik und der Ausschluss von Kunden, die bar zahlen wollen oder müssen. Für viele Kleinbetriebe bleiben die Kosten der Bargeldhandhabung oft geringer als die laufenden Karten- und Twint-Gebühren. Wer nur noch digital akzeptiert, verliert nicht nur Umsatz, sondern auch Unabhängigkeit. Schweden hat derweil für Lebensmittelgeschäfte und Apotheken die Bargeldannahme wieder vorgeschrieben – aus Gründen der Inklusion und weil digitale Systeme angreifbar sind.

Der Bundesrat hat eine gesetzliche Annahmepflicht bisher als zu starken Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit abgelehnt. Die Fragen der Parlamentarier werden am Montag beantwortet. Ob daraus mehr wird als ein weiteres Versprechen, bleibt offen.



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