Wenn das Gehirn Lithium verliert - Lithium gegen das Vergessen
Harvard rückt ein altes Metall ins Zentrum der Alzheimer-Forschung – das Schweizer Fernsehen hört den Autor der These nicht einmal an.
Zuerst fällt ein Geburtstag aus dem Gedächtnis. Dann der Name des Enkels. Später der Weg nach Hause. Alzheimer beginnt leise und nimmt nicht mehr ab. In der Schweiz leben rund 156’900 Menschen mit einer Demenzdiagnose; jedes Jahr kommen etwa 33’800 neue Fälle hinzu. Bis 2050 könnten es 315’400 sein. Ein Heilmittel gibt es nicht.
Was Harvard im Gehirn gefunden hat
Forscher der Harvard Medical School haben in Nature gezeigt, dass Lithium natürlicherweise im Gehirn vorkommt – in winzigen Mengen, vergleichbar mit Eisen oder Vitamin C. Bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, oft der Vorstufe von Alzheimer, war dieser Gehalt deutlich vermindert. Amyloid-Plaques binden das Metall und entziehen es den Zellen.
In Mäuseversuchen beschleunigte lithiumarmes Futter Entzündungen, Plaques und Gedächtnisverlust. Ein stabiler Spiegel schützte davor. Lithiumorotat, das weniger an Plaques bindet als das psychiatrische Carbonat, kehrte bei den Tieren sogar Gedächtnisverluste um. Die Autoren um Bruce Yankner nennen den Mangel einen frühen, möglicherweise kausalen Schritt der Erkrankung.
Das bestätigt ältere Hinweise: Dänemark 2017 und Grossbritannien 2022 fanden weniger Demenz dort, wo mehr Lithium im Trinkwasser vorkommt. Das silberweisse Metall steckt in Böden, Lebensmitteln und manchem Mineralwasser. Die ursprüngliche 7-Up-Rezeptur enthielt Lithiumcitrat und wurde als Hausmittel gegen Kater und schlechte Laune verkauft.
Was Michael Nehls seit Jahren sagt
Der Arzt und Molekulargenetiker Michael Nehls vertritt seit 2016, Lithium sei ein essentielles Spurenelement. Ein weit verbreiteter Mangel schwäche den Hippocampus und begünstige Neuroinflammation, Depression und Demenz. Er empfiehlt rund ein Milligramm elementares Lithium am Tag – nicht die tausendfach höheren psychiatrischen Dosen – und kämpft um die Anerkennung als Spurenelement in der EU. Eine Beimischung ins Leitungswasser lehnt er ab: Das widerspreche der Selbstbestimmung. Die Harvard-Daten liest er als Bestätigung seiner Unified Theory of Alzheimer’s Disease.
Auch Kupfer gehört dazu
Dieselbe Messung fand im Alzheimer-Gehirn neben dem Lithiumrückgang auch niedrigere Kupferwerte. Kupfer ist für den Menschen unentbehrlich: Es steckt in Enzymen, in der Nervenleitung und im Eisenstoffwechsel. In den Mengen, die der Organismus braucht, ist es dem Menschen ausschliesslich zuträglich.
Wenn das Fernsehen das Buch zeigt, den Autor aber nicht
Genau diese Debatte führte SRF «Puls» unter dem Titel «Wundermittel oder gefährlicher Hype». Moderatorin Daniela Lager hielt Nehls’ Buch mehrfach in die Kamera. Ein Gespräch mit ihm fand nicht statt. Dafür riet Gregor Hasler, live als «Lithium-Papst der Schweiz» vorgestellt, von Supplementen ab. Eine Schweizer Trinkwasserstudie ohne messbaren Zusammenhang zur Suizidrate wurde zur Generalaussage: Mikrodosen wirkten nicht. Die Studie misst vor allem sehr niedrige Konzentrationen; sie sagt nichts über ein Milligramm täglich.
Ueli Schmezer, früher «Kassensturz», nimmt selbst täglich ein Milligramm und nennt die Sendung journalistisch nicht korrekt: Ein Buch wird vorgeführt und zerpflückt, der Autor bleibt stumm. SRF antwortete, die Sendung sei «sachgerecht», das Buch habe nicht im Zentrum gestanden. Genau so klingt aufgeblasene Redaktionsallmacht: Man erklärt den Streit, ohne den Streitgegner zu hören.
Lithium heilt Alzheimer nicht über Nacht. Die Harvard-Arbeit ist Gewebe- und Mausdaten, keine abgeschlossene Humanstudie. Aber sie verschiebt die Frage: Nicht, ob das Metall «gefährlich» sei, sondern ob ein stiller Mangel den Abbau mitantreibt – und warum ein Stoff, der im Heilwasser legal fliesst, als Kapsel weiter unter Generalverdacht steht.
@MichaelNehls
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