Aufgedeckt: Wie Versorgungswerke Milliarden an Rentengeldern verzocken💥
Bei mehreren deutschen Versorgungswerken sind innerhalb weniger Jahre Verluste und drohende Abschreibungen von insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro bekannt geworden. Betroffen sind unter anderem Einrichtungen für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Rechtsanwälte. Die 91 berufsständischen Versorgungswerke sichern mehr als eine Million Angehörige freier Berufe ab. Sie arbeiten im Unterschied zur gesetzlichen Rentenversicherung überwiegend kapitalgedeckt und legen die Beiträge ihrer Mitglieder am Kapitalmarkt an. Insgesamt verwaltet die Branche schätzungsweise mehr als 300 Milliarden Euro.
Wer einem verkammerten Beruf angehört, ist grundsätzlich dem zuständigen Versorgungswerk zugeordnet. Die Mitglieder können ihren Anbieter nicht frei wählen oder ihm wegen einer schlechten Anlagestrategie einfach kündigen. Umso schwerer wiegen die Verluste, die nach Jahren niedriger Zinsen und riskanter Investments nun sichtbar werden. Der jüngste Fall betrifft die Bayerische Versorgungskammer. Sie verwaltet zwölf Versorgungseinrichtungen mit 2,8 Millionen Versicherten und Kapitalanlagen von rund 120 Milliarden Euro. Etwa 1,6 Milliarden Euro flossen in Fonds mit US-Immobilien, die von der Deutschen Finance und dem Immobilienentwickler Shvo betreut wurden.
Zu den Anlagen gehörten die Transamerica Pyramid in San Francisco sowie Projekte in New York, Los Angeles und Miami. Nach einem Bericht des Focus belief sich das gesamte Verlustpotenzial Ende 2025 auf 853 Millionen Euro. Auf Ebene der Zielfonds waren zu diesem Zeitpunkt bereits Verluste von rund 392 Millionen Euro realisiert worden.
In den Einzelbilanzen der betroffenen Versorgungseinrichtungen musste die Kammer nach eigenen Angaben bislang jedoch keine Abschreibungen oder Rückstellungen vornehmen. Fast 700 Millionen Dollar aus dem Verkauf der Transamerica Pyramid sollen laut Bericht derzeit auf Konten in den Vereinigten Staaten festgehalten werden. Inzwischen streiten die Beteiligten vor einem Gericht im US-Bundesstaat Delaware. Die Deutsche Finance wirft der Versorgungskammer vor, selbst erheblichen Einfluss auf die Auswahl, Finanzierung und Verwaltung der Immobilien genommen zu haben. Die Kammer bezeichnet die Klage als Ablenkungsversuch und weist die Vorwürfe zurück.
Für die Versicherten werde es keine Leistungskürzungen geben, versichert die Kammer. Selbst wenn das gesamte Verlustpotenzial von 853 Millionen Euro ausgeschöpft werde, entspreche dies lediglich rund 0,7 Prozent ihrer Kapitalanlagen. Die Verluste würden durch Erträge aus anderen Anlageklassen ausgeglichen.
Weitaus dramatischer ist die Lage beim Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin. Die Einrichtung betreut rund 11.000 Zahnärzte aus Berlin, Brandenburg und Bremen. Von ihrem früheren Vermögen in Höhe von etwa 2,2 Milliarden Euro ist nach Angaben des Versorgungswerks inzwischen mehr als die Hälfte verloren.
Das Geld floss unter anderem in ein insolventes Versicherungs-Start-up, ein Immobilienfinanzierungsportal, amerikanische Firmen, ein Luxushotel auf Ibiza und eine Garnelenfarm. Fachleute hielten Kürzungen der späteren Renten um 20 bis 30 Prozent für möglich. Das Wirtschaftsmagazin Capital berichtete unter Berufung auf Experten sogar von möglichen Einbußen von bis zu 50 Prozent. Belastbare Zahlen über die Auswirkungen auf laufende Renten und Anwartschaften liegen noch nicht vor.
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