das Ritual und das Fest auf die Dauer eines Tages und einer Nacht.
Das Fest gilt allen Früchten des Bodens gleichermaßen (z.B. Haferfest in Schlesien, Winzerfest im Rheinland und Hopfenernte in Bayern), jedoch überwiegt der Dank für eine gute Getreideernte, worauf der Begriff der ,,Kornmutter’’, den wir im gesamten indogermanischen Raum antreffen, hinweist. Ähnliche Bezeichnungen identischen Inhalts finden wir unter anderem auch in Indonesien (Reismutter) und bei den peruanischen Indianern, die neben ihrer Mais- und Kartoffelmutter auch einen ,,Kornbock" und einen ,,Roggenwolf’’ benennen. Letzterer Begriff begegnet uns auch im indogermanischen Verbreitungsgebiet sehr häufig. Das bäuerliche Leben ist seit Ewigkeiten geprägt durch die Abhängigkeit von einem fruchtbaren Boden und einem guten Wetter. Der Bauer empfand darum seine Tätigkeit immer als unter dem Einfluß göttlicher Mächte stehend. ,,Ihm sind die Verwurzelungen des Lebens in der abgründigen Tiefe des kosmischen Daseins noch voll bewußt. Die Ernte ist ihm nicht das Ergebnis einer Produktionsschlacht, sondern eine Gabe, die ihm wie durch ein Wunder beschert worden ist’’, berichtet uns De Vries über die Einstellung des germanischen Bauern zu seiner Arbeit. Das alltägliche Leben des Bauernmenschen gerät zwar deshalb, oder vielleicht müssen wir sagen gerade deshalb, nicht zu einer fortwährenden heiligen Handlung. Trotzdem besitzt dieses Leben eine ihm eigentümliche Weihe und es reicht in den Momenten einer gesteigerten Intensität unmittelbar in die Sphäre des Göttlichen. Hierin liegt der Sinn der den Jahreslauf begleitenden Kulthandlungen, die sich in bedeutungsvollen Augenblicken oder an gewichtigen Einschnitten zu feierlichen Festen und gemeinschaftlichen Ritualen verdichten.
Ende von Teil I
Wird fortgesetzt ...
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