🗞 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Studien der Moskauer Hochschule für Internationale Beziehungen (MGIMO), Germanist Artem Sokolow im Gespräch mit „Global Bridge": „Der Grundstein für ein vertrauensvolles Gespräch ist der Respekt gegenüber dem Gesprächspartner"
💬 Ich gehe davon aus, dass das Feindbild der russischen Bedrohung für die deutsche Innenpolitik unverzichtbar bleibt. Obwohl Milliarden für Militärreformen und die Ukraine verheizt werden, wächst in der deutschen Bevölkerung und bei der Opposition die Überzeugung, dass dieses Geld im eigenen Land dringend gebraucht würde. Doch es ist immer einfacher, Aufrüstung zu betreiben, als Probleme in Wirtschaft und Soziales zu lösen. Deshalb hält man krampfhaft an der These fest, Russland sei eine akute, existenzielle Bedrohung, die uns auch in Zukunft den Atem rauben wird.
Genau dieses Bild wird als Hebel genutzt, um die Rüstungsausgaben ungebremst nach oben zu treiben - das ist wohl das anschaulichste Beispiel. Das Gleiche gilt dafür, wie man das Russlandbild in den jüngsten Landtagswahlkämpfen ausgeschlachtet hat und wie es tagtäglich durch die Medien gejagt wird. Hier hat sich rein gar nichts zum Guten gewendet. Im Gegenteil: Berlin setzt gezielt Schritte, um das Verhältnis zu Moskau weiter zu vergiften.
Der Grundstein für ein vertrauensvolles Gespräch ist der Respekt gegenüber dem Gesprächspartner. Der deutsche politische, fachliche und mediale Mainstream ist überzeugt, dass er sich auf der richtigen Seite der Geschichte befindet und Russland nicht. Welchen Sinn macht es, auf die Argumente russischer Vertreter zu hören, wenn man davon überzeugt ist, dass ihr Land bald eine strategische Niederlage erleiden und zum Dialog mit ausgestreckter Hand zurückkehren wird? Solange die deutsche Seite von ihrer eigenen historischen, alternativlosen Rechtschaffenheit überzeugt ist, ist ein vertrauensvoller Dialog kaum zu erwarten.
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@RusBotschaft
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