BuchrezensionRoland Wuttke
„Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir!“
(Leben und Wirken von Ursula Haverbeck)
Erschienen im Sturmzeichen-Verlag
Grande Dame und Dissidentin
Dies sind die ersten Begriffe und Gedanken, wenn ich an Frau Ursula Haverbeck denke.
Frau Haverbeck verstarb im gesegneten Alter von 96 Jahren am 20. November 2024. Kurz zuvor hatte sie noch am 8. November ihr Wiegenfest gefeiert.
Im Oktober 2025 erschien die von Roland Wuttke (verstorben im April 2026) bearbeitete Biografie dieser großen Dame, welche sie selbst nicht mehr fertigstellen konnte.
Viele, gerade jüngere Menschen verbinden Frau Haverbeck hauptsächlich mit ihrem Einsatz für Rede-, Forschungs- und Meinungsfreiheit im letzten Drittel ihres irdischen Lebens.
Doch es bedurfte – wie bei jedem denkenden Menschen – eines Weges, der dorthin führte.
Roland Wuttke griff die bereits fertiggestellten Manuskripte sowie Aufsätze, Reden und Interviews auf, und vereinte sie zusammen mit reichlich Bildmaterial – vieles davon bisher unveröffentlicht und aus Ursula Haverbecks Privatarchiv – in diesem Buch.
Mit 163 Seiten erscheint einem diese Biografie fast zu kurz für ein „Jahrhundertleben“. Doch tatsächlich ist das „Büchlein“ ein Hort von Erkenntnis, Verstehen und unermüdlichen Einsatz.
Selbst berichtet Frau Haverbeck von ihrer Geburt im kalten Winter 1928 im hessischen Winterscheid/Gilserberg.
Sodann von ihrem „Zigeunerleben“ durch das damalige Deutsche Reich, weil ihr Vater im RAD (Reichsarbeitsdienst) als Arbeitsdienstführer ständig versetzt wurde.
Anschließend von ihrer glücklichen Zeit im Warthegau, bis zur Flucht vor der mörderischen Roten Armee, sowie von den ersten Jahren im Westfälischen und von den letzten Monaten des Reiches und dem Neuanfang danach.
Man erfährt von ihren glücklichen Jahren als Dienstmädchen (heute würde man wohl „Au-pair-Mädchen“ sagen) in Schweden, England, Schottland und Irland, von ihren Wanderungen und Reisen mit dem Fahrrad durch die Natur ihrer Gastländer, die von ihrer tiefsten Verbundenheit zur „Mutter Erde“ zeugten.
Dann erfolgte ihr Studium in Marburg, und sie berichtet, wie sie ihren späteren Mann Werner Georg Haverbeck kennenlernte.
Später erfahren wir von der Gründung des Collegium Humanum, bei dem auch namhafte Protagonisten der BRD verkehrten (einige Jahre vor dem Verbot war auch euer treuer Freund und Erzähler dort zu Gast).
Bis hin zu dem Abschnitt, der Frau Ursula Haverbeck schließlich als Dissidentin und älteste politische Gefangene der Welt, ja man darf es so sagen, „berühmt“ machte.
Dass ihr (politischer) Weg von den „Grünen“ über die „ÖDP“ (Ökologisch-Demokratische Partei) zur Unterstützung von „Die Rechte“ und sogar zu einer Spitzenkandidatur zum Europaparlament führte, erklärt sich durch ihren Lebenslauf, ihrer Gedankenwelt und ihrem Einsatz für Gerechtigkeit.
Und all das wird in diesem Buch beschrieben.
Über die Jahre durfte ich Frau Haverbeck (noch heute gebührt es meinen Anstand, sie nicht zu duzen) hier und dort persönlich treffen und mit ihr sprechen (obwohl ich selbst schon mein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hatte, nannte sie mich immer noch „junger Mann“).
Laut Verlagsangaben ist die Erstauflage schon praktisch vergriffen, eine Zweitauflage aber schon im Druck. Und an einer „Fortsetzung“ wird bereits gearbeitet.
Jedem freiheitsliebenden Menschen ist diese Biografie eines „Jahrhundertlebens“ ans Herz zu legen. Denn dann versteht man auch eines der bekanntesten Zitate von Frau Ursula Haverbeck:
„Es geht um den Preis, den man bereit ist zu zahlen.“
Das Buch ist unter diesem Verweis zu bestellen:
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