Teil 34
Jede Einseitigkeit ist Verlogenheit vor der Implikation weiterer Seiten. Kannst du dich an die beiden Seiten der Medaille aus der "Nostalgie in Sepia" erinnern?
Ausserhalb des Kreises gibt es kein Ich, gibt es keine weiteren erdichteten Körper, kein Alltagsbewusstsein, kein Unterbewusstsein, keine Archetypen nach Jung, keine Hysterien, keine regressiven fl'oralen und b'analen Ph'r'asen nach Freud, keine Seele, keine Erde, keine Astralreiche, kein Karma, keinen Himmel, keine Hölle, keine Maschinerie, keine Geschichte!
Wir sind an dieser Stelle weder Theisten noch Atheisten und das ist kein Konstruktionsfehler.
Du musst nicht glauben, dass eine "Seele" weiterlebt, um zu erkennen, dass das, was wirklich ist, nicht stirbt!
Der Tod ist das Ende eines Formphänomens in der Erscheinungswelt. Jede Form wird sterben. Das unpersönliche Formlose stirbt nicht, weil es nie geboren werden musste. Das Nichts exhaliert das formlose Potentialfeld, welches die erformte Geschichte exhaliert, welche wiederum vom Nichts inhaliert wird. Der ewige Kreislauf, die ewige Kontraktion.
Kannst du dich an deine Geburt erinnern? Nein?
Kamst du freudestrahlend und leichtfüssig oder kreischend und ohnmächtig durch den Kanal in diese Zähe?
Erinnerst du dich an deinen "letzten Tod"? Wie sehr hast du an der Zähe festgehalten? Wer garantiert dir, dass du aktuell überhaupt lebendig bist?
Wer oder was bist du, wenn du träumst? Du gleitest einfach hinüber, ohne dass du auch nur den Hauch eines Einflusses hast, stimmt's? Das mit dem Luziden klappt nicht wirklich. Gib es zu. Es gibt Bereiche, die du weder gänzlich bestimmen noch kontrollieren kannst, solange du Mensch bist. Nichtsdestotrotz wird suggeriert, dass der Mensch es tun sollte. Ihm wird eingetrichtert, dass er Herr seines Daseins wäre, wenn er alles selbst bestimmen könnte: seine Anwesenheit und seine Abwesenheit. Er versucht, sie zu begreifen und zu berechnen, weil er seine eigene Ohnmacht nicht ertragen kann.
Warum hast du eigentlich keine Angst vor dem, was vor deiner "Geburt" war?
Wer fürchtet, dass das Wesen mit dem Tod aufhört zu sein, müsste doch automatisch auch das fürchten, was es vor der Geburt war. Diese beiden Zustände können nie getrennt voneinander betrachtet werden.
Die Asymmetrie, die du erlebst, ist eine Täuschung des Bewusstseins.
Du hast im Grunde nie etwas Bleibendes gehabt. Es war immer ein Strom wiederkehrenden Vergehens. Das einzige, was du im Tod verlierst, ist die Illusion der Beständigkeit und alle Anmaßung. Aber genau das ist das Problem, nicht wahr? Du möchtest deinen Ich-Fokus hinüber retten. Du hast Angst vor der totalen Auflösung.
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