🔵🪶 Haben und Sein –
Vom Besitz-losigkeit über Besitz‑freiheit zum tieferen Sein.
Hinweis: Dies ist die Fortsetzung unseres inneren Weges. Zum tieferen Verstehen lies bitte auch 📝 Kapitel 2, Teil 1 und 📝 Kapitel 1 sowie das Intro. 👆🏽
📝 Kapitel 2 — Die Gewänder der Biografie Teil 2 von 3:
🌙 Name, Beruf und das Eigentum an den Talenten.
Wenn der Schleier zwischen dem unschuldigen Bedürfnis des Körpers und dem Anspruch des Egos einmal gelüftet ist, führt uns der Weg beinahe zwangsläufig zu den alltäglichen Masken, mit denen wir uns vor der Welt und vor uns selbst verkleiden.
Hier betreten wir den Bereich der Selbstdefinition – die vielleicht subtilste und zugleich hartnäckigste Form des Habens.
Wir kommen nicht nur leiblich unbekleidet auf die Welt, sondern auch spirituell nackt in diese Welt. Doch fast augenblicklich beginnt die systemische Domestizierung, uns mit Namen, Titeln, Rollen und Erwartungen einzukleiden.
Ein Name hilft beim Zusammenleben.
Ein Beruf erfüllt eine Aufgabe.
Eine Rolle kann Orientierung geben.
Doch das Ego greift gierig nach diesen Gewändern und macht aus einem Werkzeug einen Besitzstand.
Wir sagen: „Ich habe diesen Namen.“ Und bald darauf: „Ich bin dieser Name. “Wir sagen: „Ich habe diesen Beruf, diesen Status, diesen gesellschaftlichen Wert. “Das Ego klammert sich an diese Definitionen, weil es im tiefsten Inneren eine fundamentale Angst vor der Leere hat. Es braucht die Bestätigung von außen, den Applaus und Anerkennung der anderen, um sich seiner eigenen Existenz zu versichern. „Guck mal, was ich alles darstelle – also bin ich wertvoll.“ Es ist der verzweifelte Versuch, das lebendige Sein durch das Haben von Eigenschaften, Rollen und künstlichen Bedeutungen zu erzwingen.
🪶 Hier öffnet sich eine tiefere Schicht, die mich in meinem eigenen Leben als freischaffender Künstler und Musiker über viele Jahrzehnte begleitet hat: das Reich der Talente und der Kreativität.
Ein Talent, eine kreative Gabe – sei es das Bauen eines Musikinstruments mit den eigenen Händen oder das Entlocken von Tönen aus einer Saite – ist im Ursprung ein reines Geschenk des Seins. Es ist ein Kanal, durch den das Lebendige fließt.
Sobald Musik geschieht, gibt es in diesen seltenen Augenblicken ihrer ganzen Tiefe keinen Raum für Besitz.
Man spielt nicht die Musik.
Man wird von ihr gespielt.
Man macht nicht den Fluss.
Man ist der Fluss.
Doch wie schnell schleicht sich das Haben-Prinzip ein! Das Ego stellt sich hinter das Talent und flüstert: „Das ist meine Genialität. Ich besitze diese Fähigkeit.“ Aus dem unschuldigen Ausdruck der Lebensenergie wird ein persönlicher Stolz, ein spirituelles Eigentum, das man eifersüchtig hütet und mit dem man sich über andere erheben will. Man macht aus dem fließenden Klang einen festen Zaun um das eigene Ich.
Das Paradoxon zeigt sich erst, wenn das Schicksal zuschlägt. Wenn dir die Instrumente genommen werden, wenn der Beruf wegbricht oder der Status zerbröckelt. Wenn das Ego seiner Besitztümer beraubt wird, stürzt es in eine existentielle Krise. Es schreit auf, weil es glaubt, sein Sein verloren zu haben. Doch verloren ging nur das Haben – die Maske, die man fälschlicherweise für das Gesicht gehalten hat.
Der Name, der Beruf, die Talente – sie sind wie die Kleidung, die wir am Leib tragen. Sie erfüllen ihren Zweck auf der Straße des Lebens. Doch wehe dem Wanderer, der glaubt, er sei der Mantel, den er trägt. Er wird zu schwer, um sich zu bewegen. Er erstarrt in seiner eigenen Biografie.
Vidrohi 🧘🏼♀️💚🧘🌞
Hier endet Teil 2 von 3 des zweiten Kapitels. Morgen folgt der finale Teil 3: Das Eingemachte – Der Zeuge jenseits des Egos. Was bleibt, wenn selbst Gedanken, Empfindungen und der eigene Leib nicht mehr als Besitz betrachtet werden? 🪶🔵
Post #1999
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