🔵🪶 Haben und Sein –
Vom Besitz-losigkeit über Besitz‑freiheit zum tieferen Sein.
Teil 3 von 3. Zum tieferen Verstehen lies bitte auch Teil 1 und 2 sowie das Intro. 👆🏽
📝 Kapitel 1 (Teil 3 von 3) — Besitzanspruch – die Mutter aller Streitigkeiten
⚡️ Der Riss und die mögliche Rückkehr
Noch bevor aus Besitz handfester Anspruch wird, bevor aus Anspruch Streit wird, bevor aus Streit Unfrieden wird
und bevor aus Unfrieden Krieg ausbricht — entsteht ein leiser Riss zwischen Mensch und Welt.
Ein Riss, der nicht im Holz liegt, nicht in der Rinde und nicht in der Erde.
Er liegt in dem Gedanken, der sagt: „Dies ist meins.“
Wie schon in Teil 1 anklang: Besitz-freiheit meint nicht, nichts haben zu dürfen.
Sie meint, nicht von dem besessen zu sein, was man hat — und nicht zum Besitz dessen zu werden, der alles haben will.
Dieser Riss kann sich schließen, wenn der Mensch wieder erkennt: Der Baum trägt Früchte, weil er ist — nicht weil er jemandem gehört.
Seine Gaben fallen, wohin sie fallen. Sie brauchen keinen Eigentümer, um zu reifen.
Der Zaun steht, weil jemand ihn errichtet hat aus dem Wunsch zu schützen, zu behalten und zu bestimmen, wer nehmen darf und wer nicht.
Er ist Ausdruck eines Anspruchs.
Doch der Anspruch ist nicht die Welt selbst.
Und der Mensch lebt, weil er atmet, weil er in Beziehung steht, weil er Teil des Lebendigen ist — nicht weil er besitzt.
Wenn dieser Unterschied wieder spürbar wird, beginnt etwas Kleines und Entscheidendes: Der Schleier wird dünner. Die Nähe kehrt zurück.
Das Haben verliert einen Teil seiner Macht. Dies ist der Anfang. Dies ist der erste Schritt. Dies ist der Zaun und der Apfelbaum.
📜 Eine Selbst erdachte Geschichte zu diese Thematik:
Ein Mann besaß einen Garten. Jeden Tag zählte er die Früchte, maß die Beete und prüfte sorgsam den Zaun.
Doch je mehr er zählte, desto unruhiger wurde er.
Die Angst vor Verlust fraß seinen Frieden auf.
Eines Nachts träumte er einen seltsamen Traum: Er träumte, der Garten gehöre ihm nicht.
Es gab keinen Besitzer, nur das Leben.
Als er am Morgen erwachte, war etwas in ihm verändert.
Er ging hinaus in den frühen Tau und setzte sich einfach unter den größten Baum.
Er pflückte nichts.
Er maß nichts.
Er verteidigte nichts.
Er saß einfach nur da und war.
Nach einer Weile fiel eine reife Frucht lautlos neben ihn ins Gras.
Er hob sie auf, aß sie und ein tiefes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
Ein Nachbar, der am Zaun vorbeiging, rief: „Ist das jetzt dein Baum?“
Der Mann antwortete leise: „Nein. Aber heute hat er mich ernährt.“
In diesem Moment verstand er mehr:
Es reichte nicht, den äußeren Anspruch aufzugeben.
Er musste auch den inneren Stolz fallen lassen, der stolz darauf war, ein „freigebender“ zu sein.
Von da an kümmerte er sich nicht mehr um den Zaun — nicht ob er stabil war, nicht ob er hoch genug war.
Er freute sich weiterhin an den Äpfeln.
Und er freute sich, wenn andere welche nahmen.
Er war nicht länger der Großzügige, der „seine“ Früchte verteilte.
Die anderen konnten selbst nehmen.
Manche nahmen maßvoll.
Manche hätten am liebsten alles genommen und verkauft.
Das bemerkte er.
Doch ihr Besitzanspruch wurde nicht zu seinem.
Er blieb frei — auch davon, die Freiheit anderer zu bewachen.
Und etwas Unerwartetes geschah:
Viele begannen, die Äpfel mit größerer Achtsamkeit zu nehmen.
Sie spürten, dass dieser Baum nicht herrenlos war, sondern mit täglicher Aufmerksamkeit und Liebe gewachsen war.
Was mit Liebe geschaffen und gepflegt wird, gehört niemandem — doch es ist verbunden mit dem Sein dessen, der es genährt hat. Diese Verbindung können andere erkennen und respektieren.
So wie der Mann lernte, den Baum nicht zu besitzen, lernte er auch, das Sein der anderen nicht zum eigenen Besitz zu machen.
Und der Garten, der ihn vorher klein und ängstlich gemacht hatte, wurde für sein erwachtes Sein wieder weit.
Vidrohi 🧘🏼♀️💚🧘🌞
📌 Dies war Kapitel 1 von „Haben und Sein“. In den kommenden Tagen öffne ich Kapitel 2. Bleibt wachsam und Mit euch und eurer Umwelt empathisch. 🔵🪶
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