Germanische Welt - Verlust der Seele und Kultur
#geostrategie
Fast unmittelbar nach seiner Gründung wurde das Erste/Alte Reich bzw. Heiliges Römisches Reich (962-1806) zu einem supranationalen Zusammenschluss, deren Grundlage die germanischen Staaten waren. Das Deutschland, das wir kennen, entstand erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die militärischen und diplomatischen Erfolge des peripheren Preußens. Bis dahin war Deutschland eher ein historischer und geografischer als ein politischer Begriff. Der Erste Weltkrieg (1914-1918) brachte die Entwicklung des neu geschaffenen Deutschlands zum Stillstand, der Zweite Weltkrieg wurde zum Zusammenbruch und der Eifer der preußischen Passionarität war erschöpft.
Entartungs- und Sterbeprozesse Deutschlands sind nichts Außergewöhnliches. Im Gegenteil, sein Erstarken und seine realen Chancen, eine der drei Supermächte zu werden, waren paradox (Verwirklichung des Schlieffen-Plans 1914 und Sieg im 1.Weltkrieg). Inzwischen haben die Deutschen keine Grundlage mehr für ihr Spiel, alle potenziellen Zusammenhänge sind verloren gegangen. Großmächte sind bestrebt, eine unabhängige Politik zu verfolgen, was die Kontrolle über das eigene System der Sinngehalte erfordert. Gehen wir zunächst auf diesen Punkt ein.
Ein schwerer Schlag für die Zukunft Deutschlands war der Verlust der Kontrolle über das geistliche Zentrum, den Vatikan, die im 12. Jahrhundert durch den Investiturstreit (Einweisung in ein Amt) und Machtschwächung der Kaiser, und durch die Niederlage von Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) in Norditalien, verloren gegangen war. Weitere Versuche, die Kontrolle über das geistige und historische Zentrum der westlichen Welt zu erlangen, blieben erfolglos.
Die Reformation des 15. Jahrhunderts hätte genutzt werden können, um ein unabhängiges, alternatives religiöses Zentrum zu bilden, um das sich die germanische Nation geeint werden könnte. Aber es hat nicht geklappt. Zu diesem Zeitpunkt war die Fragmentierung sehr groß, und keine der beiden Seiten konnte sich einen Vorteil verschaffen. Die germanischen Länder waren in katholische (überwiegend im Süden) und protestantische (überwiegend im Norden) geteilt. Letztere zerfielen weiter, ohne ein einheitliches religiöses und politisches Zentrum zu bilden.
Im XVIII-XIX Jahrhundert gab es einen Entwicklungsschub der Kultur, der Wissenschaft, der Philosophie in Deutschland, der weitgehend mit Österreich und Wien verbunden war, aber der Sieg Preußens im Österreichisch-Preußischen Krieg von 1866 führte zur Verdrängung, zur Vertreibung Österreichs aus dem deutschen Raum als Konkurrent. Das Dritte Reich verschlimmerte die Situation – die meisten Wissenschaftler, Denker und Künstler flohen, viele von ihnen wurden zu großen Persönlichkeiten und fanden eine zweite Heimat. Das System wurde untergraben, seit der Mitte des XX. Jahrhunderts sind diese Richtungen ein dumpfer und grauer Anschein des kreativen Aufruhrs der vergangenen Jahrzehnte. Das düstere germanische Genie konnte im kleinen Österreich nicht leben, und im großen Deutschland wurde er zum Fremden.
Nach dem Ersten Weltkrieg, als Deutschland noch von der Macht und Energie Preußens erfüllt war, versuchte das Dritte Reich, sich auf die vorchristliche Zeit zu besinnen und schuf einen neuheidnischen Kult, der wurzellos, schwach, chimärisch und menschenfeindlich war. Die Niederlage im Zweiten Weltkrieg hat all diese Bemühungen zunichte gemacht und an ihre Stelle einen die Nation zerstörenden "Schuld- und Reuekomplex" gesetzt.
Ach ja, nachdem Preußen Deutschland erobert hatte, bemühte es sich sehr um die Einigung, aber der semantische Kern wurde nie gefunden/geschaffen...
Originaltext in Russisch können Sie hier folgen
Post #229
588
- 👍 9