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Wenn Licht und Dunkel einander begegnenDie Herbst-Tagundnachtgleiche markiert einen jener stillen Wendepunkte im Jahr. Für einen kurzen Moment stehen Licht und Dunkel im Gleichgewicht. Der Tag verdrängt die Nacht nicht mehr – und die Nacht hat noch nicht die Oberhand gewonnen.
Von vielen wird diese Zeit heute
Mabon genannt. Für mich braucht sie jedoch keinen großen Namen. Ich spüre ihren Wandel draußen: im kühleren Wind, im goldenen Licht, im Geruch feuchter Erde und in den ersten Blättern, die sich lautlos von den Bäumen lösen.
Die Natur beginnt loszulassen.
Nicht aus Schwäche. Nicht, weil ihr etwas genommen wird. Sie lässt fallen, was seinen Weg vollendet hat, und zieht ihre Kraft langsam zurück zu den Wurzeln. Darin liegt eine stille Weisheit, die wir Menschen oft vergessen: Nicht alles muss festgehalten werden. Manches darf enden, damit die eigene Kraft nicht länger an Vergangenem gebunden bleibt.
Jetzt ist die Zeit, auf die eigene Ernte zu schauen.
Was ist in diesem Jahr gewachsen? Was durfte reifen? Wofür bin ich dankbar – und was hat trotz aller Mühe keine Frucht getragen?
Ich muss mir dabei nichts schönreden. Eine Ernte besteht nicht nur aus Erfolgen. Auch Umwege, Verluste und unbequeme Erkenntnisse gehören zu dem, was ich heimtrage. Vielleicht sind gerade sie es, die mich durch die dunklere Hälfte des Jahres begleiten und nähren werden.
An diesem Wendepunkt entzünde ich ein Feuer oder eine einzelne Kerze. Ich lege einige Kräuter auf die Glut, danke der Erde für das, was sie gegeben hat, und werde still. Kein großes Schauspiel. Kein Ritual, das einem fremden Buch folgen muss. Nur ein ehrlicher Augenblick zwischen mir, der Natur und dem Weg, der hinter mir liegt.
Mit der Herbst-Tagundnachtgleiche beginnt die Zeit des Rückzugs. Die Abende werden länger. Das Leben verlagert sich langsam von außen nach innen.
Auch die Dunkelheit gehört zum Kreis.
Sie ist kein Feind, den ich vertreiben muss. In ihr finde ich Ruhe, Klarheit und manchmal Antworten, die im grellen Licht keinen Platz hatten. Doch bevor ich ihr entgegengehe, halte ich noch einmal inne – genau hier, zwischen Hell und Dunkel.
Ich danke für meine Ernte.
Ich löse meine Hände von dem, was gehen will.
Und ich nehme nur das mit, was mich auf meinem weiteren Weg wirklich nährt.
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