„Wenn ein Fisch krank ist, reinigen wir das Aquarium. Wenn ein Baum keine Früchte trägt, prüfen wir den Boden. Warum behandeln wir Menschen dann einfach nur mit Medikamenten?"
Starke Frage. Wirklich stark. Damit die Symptom-Logik künftig noch etwas konsequenter gelebt wird, hier 10 Vorschläge, wie die Pharmaindustrie die Tierwelt behandeln würde – wenn sie sie so behandeln dürfte wie uns:
1. Der Fisch im Drecksbecken Das Wasser ist grün, trüb und riecht nach Sarg? Wasserwechsel wäre Ursachenforschung. Stattdessen: Tablette gegen Ammoniak, direkt in die Kiemen. Wenn der Fisch kippt, hatte er Vorerkrankungen.
2. Der Hund mit Trennungsangst Chef schreit, Kette kurz, Box dunkel? Kein Grund, irgendwas zu ändern. Der Hund bekommt Beruhigungsmittel. Bellt er trotzdem, war er schon immer ein schwieriger Hund. Aktenkundig.
3. Die Kuh mit Blähungen Futter besteht zu 90 % aus Industrieresten? Das Futter ist patentiert, die Kuh nicht. Also Entschäumer, alle vier Stunden, lebenslang. Die Kuh nennt das nichts mehr. Sie ist satt und leise.
4. Die verwelkte Pflanze im Keller Kein Licht, kein Wasser, keine Luft? Alles Verschwörungstheorie. Die Pflanze bekommt grünen Lack gespritzt. Sieht sofort gesund aus. Wer genauer hinschaut, hasst die Wissenschaft.
5. Der Baum ohne Früchte Boden tot, ausgelaugt, überdüngt? Irrelevant. Frucht-Spritze direkt in den Stamm. Trägt er trotzdem nichts, lag es an seinen Genen. Bäume mit schlechten Genen gibt es leider überall.
6. Der Goldfisch mit Burnout Schwimmt seit elf Jahren im Kreis um dieselbe Plastikburg? Keine Haltungsfrage, sondern Volkskrankheit. Therapie: Glücksfutter. Dass die Burg das Problem ist, darf niemand sagen. Die Burg hat einen Lobbyverband.
7. Die Katze mit Herzrasen Lebt neben der Autobahn, frisst Aromastoffe, schläft auf dem Router? Einzelfälle, kein Zusammenhang. Katze kriegt Blutdrucksenker und ab sofort die schönste Diagnose, die es gibt: chronisch. Dauerkunde. Herzlichen Glückwunsch.
8. Der kranke Brunnen Das Dorfwasser ist verseucht, alle liegen flach? Brunnen sanieren wäre einmalig teuer. Magentabletten im Abo sind für alle günstiger. Fast für alle. Jedenfalls für den, der sie verkauft.
9. Der Vogel, der nicht mehr zwitschert Käfig zu klein, Futter mies, einsam? Wird alles nicht geprüft. Der Vogel bekommt ein Zwitscher-Imitat. Klingt fast echt, wirkt nur nicht. Wird trotzdem von Experten empfohlen. Mit Netzwerk und Humor.
10. Die Goldmedaille Und wer jetzt fragt, warum man beim Menschen nicht einfach auch mal den Boden prüft, dem sei gesagt: Ein gesunder Mensch ist ein verlorener Kunde. Also nicht nachdenken. Es gibt Tabletten dagegen.
Merke: Früher galt: gesund ist, wer gut lebt. Heute gilt: gesund ist, wer gut verträgt und artig weiter kauft.
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