Geheime Wahl braucht Kontrolle — und Kontrolle braucht Beobachtbarkeit
Bei der Briefwahl-Debatte wird viel über Manipulationsanfälligkeit gesprochen, aber wenig über diesen Punkt: Die Briefwahl kennt keine Pflicht zur geheimen Wahl. Niemand kann kontrollieren, ob der Stimmzettel wirklich frei und unbeobachtet ausgefüllt wurde. Strategisch ist das gleichbedeutend mit einer offenen Wahl. Wer nicht beweisen kann, wie er gewählt hat, kann nicht erpresst oder gekauft werden (Schelling: Stärke durch Selbstbindung). Genau diesen Schutz durchbricht die Briefwahl, wenn sie über bedürftige Personengruppen hinaus ausgeweitet wird.
Und Digitalwahlen? Auch sie lösen das Problem nicht: Selbst perfekte kryptografische Überprüfbarkeit durch Experten verunmöglicht es normalen Wahlbeobachtern, sich selbst von der Korrektheit des Wahlablaufs zu überzeugen. Damit entfällt die Kontrollierbarkeit durch den Bürger — das Fundament, auf dem Wahlbeobachtung steht.
Nur die Wahl in der Kabine ist beides zugleich: verpflichtend geheim und öffentlich beobachtbar.
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