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Unbedingt ausprobieren! Unbedingt ausprobieren! @unbedi · 958 subscribers
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Bevor es Maschendraht gab, wurden Hecken gebogen. Die Technik heißt „Hecke legen" – in Norddeutschland auch „Knicken" – und sie kommt gerade wieder.

Das Prinzip ist einfach und faszinierend zugleich: Ein zwei- bis fünfjähriger Trieb wird mit der Hippe oder einer Säge zu etwa zwei Dritteln eingeschnitten – aber nicht durchgetrennt. Dann wird er vorsichtig fast waagerecht umgebogen und zwischen senkrechte Holzpfähle geflochten. Das entscheidende Stück Rinde und Kambium bleibt intakt. Der Saft fließt weiter, der Trieb lebt und treibt im Frühjahr kräftig senkrecht aus. Aus einer dünnen Hecke wird innerhalb weniger Jahre ein undurchdringliches Geflecht aus lebenden und nachwachsenden Trieben – ein Zaun, der wächst.

In Schleswig-Holstein heißen diese Hecken auf Erdwällen „Knicks" und stehen heute unter gesetzlichem Schutz. Im Rheinland, in der Eifel und im Siegerland war das Heckenlegen bis in die 1950er Jahre alltägliche Landwirtschaft. Jeder Bauer wusste, wie man eine Weißdornhecke legt, die kein Rind durchbricht.

Dann kam die Flurbereinigung. In wenigen Jahrzehnten verschwanden in Deutschland Hunderttausende Kilometer Hecken – planiert für größere Felder, ersetzt durch Zaunpfosten und Stacheldraht. Mit den Hecken gingen die Nistplätze, die Windschutzstreifen, die Wildkorridore und das Wissen, wie man sie pflegt.

Heute lernen es wieder Menschen: auf Permakultur-Kursen, in Naturschutzvereinen, auf Landschaftspflegehöfen. Die Gehölze sind dieselben wie vor Jahrhunderten:

Weißdorn (Crataegus monogyna) – Der Klassiker für gelegte Hecken. Extrem biegsam, dornig, bildet ein dichtes, undurchdringliches Geflecht. Rote Beeren im Herbst für Vögel.

Hainbuche (Carpinus betulus) – Sehr gut biegbar, behält das trockene Laub im Winter und bleibt dadurch auch in der kalten Jahreszeit blickdicht.

Feldahorn (Acer campestre) – Geschmeidig, gut schnittverträglich, dichter Wuchs. Färbt sich im Herbst leuchtend gelb.

Schlehe (Prunus spinosa) – Lange Dornen, die Vieh zuverlässig aufhalten. Bildet dichte Ausläufer, die jede Lücke von selbst schließen.

Hasel (Corylus avellana) – Sehr biegsame junge Triebe. Liefert nebenbei Nüsse und im Spätwinter die ersten Pollen für Bienen.

Weide (Salix) – Die biegsamste aller Arten, besonders auf feuchten Standorten geeignet. Bewurzelt sich häufig von selbst an den Biegestellen.

Gearbeitet wird zwischen November und März, an frostfreien Tagen, solange kein Saft in den Trieben steht. Die Triebe müssen jung genug sein, um sich biegen zu lassen, ohne zu brechen – zwischen zwei und fünf Jahren, je nach Art und Dicke.

Nach vier bis fünf Jahren entsteht eine lebende Barriere, die kein Weidetier durchbricht, in der Vögel nisten, durch die Igel wandern und die den Wind bremst, ohne ihn zu blockieren. Etwas, das kein Thuja-Zaun und kein Maschendraht je leisten wird.

Der beste Zaun ist weder tot noch starr. Er ist lebendig und er wächst.

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