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Simone Voss - EINE LEHRERIN STEHT AUF- Simone Voss - EINE LEHRERIN STEHT AUF- @simonevoss · 39.8K subscribers
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„✨Gestern Morgen stand wieder ein Kind vor mir,
das nicht mehr konnte.

Kein Trotz.
Kein „keine Lust“.
Sondern ein Körper im Alarm.

Und trotzdem muss es zur Schule gehen.

Wegen der Schulpflicht.
Wegen der Fehlzeiten.
Wegen der Noten.
Wegen der Angst vor Konsequenzen.

„Zielgleich“ wird es genannt.

Das bedeutet:
gleiche Anforderungen,
gleiches Tempo,
gleiche Bewertung.

Egal, wie viel Kraft es kostet.

Ein Goldfisch im Glas
soll auf denselben Baum klettern
wie der Affe.

Und wenn er es nicht schafft,
wird einfach mehr Motivation verordnet.
Mehr Druck.
Mehr Anstrengung.
Mehr Gespräche.
Mehr „Du musst doch“.

Was niemand misst,
ist der Preis.

Ein Nervensystem,
das jeden Morgen
schon im roten Bereich startet.

Reize wie Nadelstiche.
Pausen ohne Pause.
Soziale Codes ohne Anleitung.
Ein Stundenplan,
der keine Regulation zulässt.

Und wenn das Kind nachmittags zerbricht,
heißt es oft:
„In der Schule ging es doch.“

Ja.
Weil es funktioniert hat.
Weil es funktionieren musste.
Nicht, weil es ihm gut ging.

Und zu Hause?
Da sitzt eine Mutter,
die selbst kaum noch Kraft hat.

Die reguliert,
statt einfach nur Mutter sein zu dürfen.
Die ein Kind mühsam zusammenflickt,
das sie nicht kaputt gemacht hat.
Die hält,
statt gehalten zu werden.

Eltern haben Angst vor Bußgeldern,
wenn sie ihr Kind nicht schicken.
Kinder haben Angst vor Noten,
wenn sie nicht liefern.

Und dazwischen steht ein System,
das Anpassung verlangt,
aber Anpassungen in seinen Strukturen
kaum vorsieht.

Es gibt wunderbare Lehrer.
Die sehen.
Die verstehen.
Die mehr geben, als sie müssten.

Aber auch sie arbeiten in engen Rahmen.
In Klassen, die zu groß sind.
In Plänen, die zu starr sind.
In Bewertungssystemen,
die Individualität nicht wirklich abbilden.

Das Kind ist nicht zu wenig belastbar.
Es wird zu viel Gleichheit verlangt,
von Nervensystemen,
die unterschiedlich entwickelt sind.

Inklusion bedeutet nicht,
dass Kinder lernen,
sich selbst wegzudrücken.

Inklusion bedeutet,
dass Strukturen beweglich werden.

Und solange ein Schultag
für manche Kinder
Überlebensmodus bedeutet,
sollten wir nicht fragen,
warum sie nicht funktionieren,
sondern warum wir es verlangen.

Wenn ich nach so einem Schultag
nach Hause fahre,
merke ich:
nicht nur die Kinder sind müde.
Ich bin es auch.
Wir Eltern sind es auch.
Die, die wir begleiten, sind es auch.

Nicht,
weil diese Kinder anstrengend sind.
Sondern weil wir sie jeden Tag durch ein System tragen, das nicht für sie gebaut wurde.“

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