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Simone Voss - EINE LEHRERIN STEHT AUF- Simone Voss - EINE LEHRERIN STEHT AUF- @simonevoss · 39.7K subscribers
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Forwarded from Vom Adel der Seele

Das Pfand meiner Liebe

„Das Pfand meiner Liebe“ – ein alter Ausdruck, über den man heute kaum noch nachdenkt. Dabei steckt in diesem einen Wort eine sehr schöne Vorstellung davon, was es einmal bedeutete, sich einem Menschen zu versprechen.

Ein Pfand war nicht einfach ein Geschenk. Man gab es einem anderen Menschen, weil man ihm sein Wort gegeben hatte. Es blieb bei ihm als sichtbares Zeichen dieses Wortes.

Und dieses Pfand musste nicht zwingend ein Ring sein. Es konnte Gold sein, Geld, eine wertvolle Gabe oder Besitz. Im deutschen Raum begegnet uns später auch der sogenannte Mahlschatz.

Das Deutsche Rechtswörterbuch beschreibt ihn als Gabe an die Braut oder als gegenseitiges Verlobungsgeschenk und ursprünglich als Pfand für die Einhaltung des Eheversprechens.

Besonders schön finde ich eine deutsche Überlieferung aus dem Jahr 1563. Bei einer Verlobung wurde die Braut gefragt,

„ob er ir nicht ein pfand oder warzeichen auff die treuw gegeben.“

Ob er ihr also ein Pfand oder Wahrzeichen auf die Treue gegeben habe.

Und genau dieses „Wahrzeichen auf die Treue“ sagt eigentlich alles.

Liebe kann man nicht in die Hand nehmen. Treue auch nicht. Und selbst das gegebene Wort ist etwas Unsichtbares.

Das Pfand dagegen konnte man tragen, berühren und bei sich behalten. Man wusste, warum man es bekommen hatte und wofür es stand.

Darum wurde ein Verlobungspfand auch wieder zurückgegeben, wenn das Versprechen gelöst wurde. Das Pfand war an dieses gegebene Wort gebunden. Bestand das Versprechen nicht mehr, wurde auch das, was dafür gegeben worden war, wieder herausgegeben.

Und es musste nicht nur der Mann sein, der etwas gab. Der alte Mahlschatz ist auch als gegenseitiges Verlobungsgeschenk überliefert. Beide konnten dem anderen etwas anvertrauen.

Ich mag diese Vorstellung sehr. Etwas aus der eigenen Hand in die Hand des Menschen zu legen, dem man sich versprochen hat. Nicht einfach als Schmuck oder Geschenk, sondern als Bürgschaft für das eigene Wort.

Ich habe mich dir versprochen. Solange dieses Versprechen zwischen uns besteht, bleibt mein Pfand bei dir.

„Das Pfand meiner Liebe.“

Quellen: Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, „Treue“, Beleg von 1563; Deutsches Rechtswörterbuch, „Mahlschatz“; Be wifmannes beweddunge, 10./11. Jh.

Zum Bild:

Dieses intime Schmuckstück verkörpert in Funktion, Verzierung und Inschrift das ritterliche Ideal der Liebe.

Die Brosche in Form des Buchstabens E besitzt einen Klappdeckel, der es ermöglicht, sie als Medaillon zu verwenden.

Der Deckel zeigt die Figur eines Mannes, der Pfeile auf sein Herz richtet, während die Inschrift auf der Rückseite (in einem sächsischen Dialekt?) lautet:

• V/REWELININ • VRME DEI + HRZE • LEVE• /NSTE • MOIS IC IN • /•SIN (Schöne Dame, möge ich dir stets nahe sein.)


Heute befindet sich die Brosche in The Met Cloisters, Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 1986.386.

https://t.me/MdUrWeiblichkeit
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