🎙 Aus der Rede des Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin auf der Plenarsitzung der 23. Konferenz des Internationalen Waldai-Diskussionsklubs (1. Oktober 2026)
💬 Es liegt auf der Hand, dass die in früheren Epochen geschaffenen Mechanismen zur Abstimmung der Interessen und Handlungen der Staaten heute nicht mehr in vollem Umfang in der Lage sind, ihre regulierende Funktion wirksam zu erfüllen. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil sich die Bedingungen verändert haben, unter denen und für die sie einst geschaffen wurden. Die entstehende neue Realität wird die Herausbildung neuer Instrumente begünstigen, doch das ist ein sehr langwieriger Prozess. Sagen wir es offen: Manche internationalen Organisationen tragen heute häufig nicht dazu bei, Risiken zu verringern, sondern schaffen oder verschärfen sie mitunter sogar, indem sie den Interessen eines einzelnen Staates oder einer Gruppe von Staaten dienen. Dabei wurden sie gerade nicht zu diesem Zweck geschaffen.
💬 Kritik richtet sich auch gegen eine so grundlegende Institution wie die Vereinten Nationen, die gemäß ihrer Charta die Rolle des zentralen Koordinierungsmechanismus in den internationalen Angelegenheiten übernehmen soll. Obwohl die UNO die weltweit repräsentativste internationale Organisation ist, wird sie in der Praxis weit weniger kollegial und demokratisch geführt, als ursprünglich vorgesehen war. Eine begrenzte Gruppe westlicher Staaten übt einen unverhältnismäßig großen Einfluss aus und versucht, sich trotz ihres offensichtlichen Minderheitenstatus in der Welt Führungsfunktionen anzueignen. Da der tatsächliche Einfluss dieser Staaten zugunsten einer immer selbstständigeren und selbstbewussteren Mehrheit der Weltgemeinschaft abnimmt, treten die Ungleichgewichte in der Struktur der Vereinten Nationen immer deutlicher zutage. Das ist ein systemisches Problem, das sich nicht von heute auf morgen lösen lässt.
💬 Russland unterstützt seit jeher und auch heute die Idee einer gerechten Reform der Vereinten Nationen. Eine solche Reform ist jedoch ohne einen internen Konsens nicht möglich, der derzeit nur schwer zu erreichen ist. Ich wiederhole: Wir treten konsequent dafür ein, dass die Struktur der Vereinten Nationen die gesamte Vielfalt der Welt widerspiegelt und dass die Staaten Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und des Nahen Ostens eine deutlich größere Rolle in der Organisation spielen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Transformation der Vereinten Nationen keineswegs nur in einer Erweiterung des Sicherheitsrates oder in anderen Maßnahmen für eine ausgewogenere geografische Vertretung der Staaten in den internationalen Leitungsgremien besteht. Es geht ebenso um eine inhaltliche Neuausrichtung der Arbeit der Organisation und um neue Prioritäten ihrer Tätigkeit.
💬 Zugleich entstehen neue internationale Zusammenschlüsse, die bereits aus den Bedingungen der heutigen Welt hervorgegangen sind. Sie verfügen zweifellos über großes Potenzial – seien es verschiedene regionale Vereinigungen oder globale Strukturen wie BRICS. Allerdings muss man einräumen, dass ihnen noch viel Arbeit bevorsteht: Sie müssen ihre Aufgaben, die optimalen Anwendungsbereiche ihrer Möglichkeiten und die Grenzen ihres eigenen Handlungsspielraums bestimmen. Von vergleichsweise jungen Strukturen zu erwarten, dass sie die Weltordnung rasch neu gestalten und ein multipolares Modell ausformen, wäre natürlich verfrüht. Das ist ein langer und steiniger Weg mit vielen Unbekannten, doch ohne Zweifel wird er zu Ergebnissen führen.
🔗 Quelle
@RusBotschaft
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