🎭 Am 5. Juli jährt sich der Geburtstag von Sergej Obraszow (1901–1992) – des legendären Regisseurs, Schauspielers und Begründers der weltberühmten russischen Puppentheaterschule.
Schon als Kind entdeckte Obraszow seine Leidenschaft für Puppen: Eine einfache japanische Fingerpuppe namens „Bibabo“, die ihm seine Mutter schenkte, weckte seine Faszination für die Kunst, scheinbar Leblosem Leben einzuhauchen. Später verband Obraszow seine Ausbildung als Maler und Grafiker mit seiner Arbeit auf der Theaterbühne und zeigte, dass Puppen weit mehr sein können als Kinderspielzeug.
🏛 1931 übernahm der erst 28-jährige Obraszow die Leitung des Zentralen Puppentheaters in Moskau. Unter seiner Führung entwickelte sich das Theater zu einem weltweit anerkannten Zentrum der Puppenspielkunst. Er inszenierte mehr als 70 Aufführungen, führte neue Puppensysteme ein und revolutionierte das Berufsbild des Puppenspielers: Für Obraszow stand nicht die bloße Beherrschung der Puppe im Mittelpunkt, sondern das vollständige Hineinleben in die Rolle.
Vom 18. Dezember 1950 bis zum 11. Januar 1951 gastierte Obraszow im Rahmen einer DDR-Tournee auch in Deutschland – unter anderem in Berlin, Leipzig, Dresden, Chemnitz, Erfurt, Halle, Potsdam und Schwerin. Die Gastspiele prägten das deutsche Puppentheater nachhaltig. So entschloss sich der spätere Puppenspieler Paul Hölzig nach einer Vorstellung Obraszows, selbst diesen Beruf zu ergreifen und wurde später zu einem der bekanntesten Puppenspieler der DDR.
Obraszow sprengte die bis dahin üblichen Grenzen des Puppentheaters – sowohl künstlerisch als auch organisatorisch. Während andere Ensembles mit wenigen Darstellern reisten, trat er mit einem über 50-köpfigen Team und mehreren Eisenbahnwaggons voller Bühnenausstattung auf. Auch der bedeutende deutsche Puppenspieler Max Jacob würdigte Obraszow in seiner Autobiographie Mein Kasper und ich in den höchsten Tönen.
🎭 Mit seinem Wirken trug Obraszow entscheidend dazu bei, dass das Puppentheater im 20. Jahrhundert weltweit als eigenständige und anspruchsvolle Kunstform Anerkennung fand. Sein berühmtestes Stück „Das ungewöhnliche Konzert“ wurde zum erfolgreichsten Puppentheaterstück des 20. Jahrhunderts und als meistgesehenes Puppentheaterstück der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.
Bis heute trägt das Staatliche Akademische Zentrale Puppentheater seinen Namen und bewahrt das Vermächtnis eines Künstlers, der die Puppenspielkunst nachhaltig geprägt hat.
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