“Der Untertan” (1918) aka Diederich Heßling ist kein Fanatiker aus Überzeugung, sondern ein Karrierist der Unterwerfung.
Feigheit nach oben, Roheit nach unten, Moral als Waffe, Loyalität als Kapital. Die Anbetung endet im Tümpel, und er steht auf und steckt sich den Orden an.
Das Muster ist nicht gebunden. Es taucht wieder auf, wo Hierarchie Gehorsam belohnt und Selbständigkeit bestraft: Buckeln nach oben, Treten nach unten, die richtig gesprochene Phrase wichtiger als die Tat, Identifikation mit Stärkeren als Ersatz für ein eigenes Rückgrat.
Ob die Fahne kaiserlich, parteilich oder unternehmerisch ist, ändert an der traurigen Figur wenig.
(Heinrich Manns Roman Der Untertan erschien zunächst von 1911 bis 1913 als Fortsetzungsserie in einer Zeitschrift. Während des Krieges verhinderte die Zensur sein erneutes Erscheinen als Buch wegen seiner Kritik am deutschen Militarismus und am übersteigerten Nationalismus. Als kompletter Roman wurde Der Untertan zunächst 1915 in Russland veröffentlicht, in Deutschland erst 1918. Hier die Titelseite der ersten deutschen Ausgabe.)
t.me/Rosenbusch
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