Der Patriot
Da sitze ich beim Bäcker von Edeka, will meinen Kaffee trinken und in Ruhe meinen Streuselkuchen essen — und plötzlich werde ich in ein Gespräch gezogen, das ungefähr so subtil ist wie ein Presslufthammer im Wohnzimmer.
Zwei junge Männer setzen sich einfach zu mir.
Sie reden über die Wehrpflicht, als hätten sie gerade einen Volkshochschulkurs „Heldentum für Anfänger“ hinter sich.
Der eine sagt stolz:
„Ich bin Patriot.“
Der andere nickt sofort, fast schon bedürftig:
„Ja, ich auch.“
Und dann kommt es.
Ohne jede Bremse.
„Ich würde für mein Land töten“, sagt der erste.
„Ich auch“, sagt der zweite, wie ein Papagei auf Koffein. „Ich würde für mein Land töten.“
Erst danach kommt die Zugabe:
„Und sterben würde ich auch“, sagt der eine.
„Ich auch“, plappert der andere hinterher.
Ich sitze da, nicke langsam, als würde ich gerade ein besonders schwaches Theaterstück sehen.
Gleichzeitig ringe ich mit dem letzten Stück Streuselkuchen — und plötzlich wirkt selbst das wie eine bessere Idee als dieses Gespräch.
Dann guckt mich einer an.
„Und du, Opa? Was denkst du?“
Ich hebe den Kopf, schaue ihn an.
Ruhig.
Direkt.
So lange, bis sein Blick anfängt zu schwimmen.
Dann sage ich:
„Du würdest also für dein Land töten.
Und dann gleich hinterher für dein Land sterben.
Beides mit derselben Begeisterung, wie andere Leute sich neue Turnschuhe kaufen.“
Ich lehne mich leicht nach vorn.
„Ich weiß nicht, was ihr raucht — aber ihr seid zwei erstklassige geistige Blindgänger. Und ich sag euch auch, warum:
Der edelste Patriot LEBT für sein Land.
Der LEBT fürs Leben.
Und der lässt andere LEBEN.
Ihr seid keine Patrioten.“
Ich nehme meine kalte Kaffeetasse, stelle sie weg, stehe auf und setze den Schlusspunkt:
„Ihr seid Knalltüten.“
Dann gehe ich.
Und zurück bleibt:
Ein Haufen Krümel.
Eine halbe Tasse kalter Kaffee,
zwei offene Münder und zwei vorzeige Hohlpfosten die aussehen, als müssten sie erst wieder hochgefahren werden.
Nik Blueheart
@Philopappos_24
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