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Dieser Gedanke wirkt heute beinahe so, als hätte Freud die Welt der sozialen Medien vorausgesehen.

Menschen beurteilen Informationen nämlich nicht immer ausschließlich danach, ob sie wahr oder falsch sind. Häufig spielt auch eine Rolle, ob eine Information zu dem passt, was wir bereits glauben, hoffen oder über uns selbst denken.

Eine unangenehme Wahrheit erzeugt inneren Widerstand. Sie zwingt uns möglicherweise dazu, eine frühere Entscheidung infrage zu stellen, einen eigenen Fehler anzuerkennen oder unser Bild von einer Person zu verändern. Genau deshalb kann es psychologisch leichter sein, die Information abzulehnen, als die eigene Überzeugung zu korrigieren.

Heute kennen wir dafür unter anderem den Begriff Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Menschen schenken Informationen, die ihre bestehenden Ansichten unterstützen, häufig mehr Aufmerksamkeit und suchen bevorzugt nach Argumenten, die zu ihrem bisherigen Weltbild passen.

In sozialen Netzwerken kann sich dieser Effekt zusätzlich verstärken. Wir folgen Menschen mit ähnlichen Ansichten, teilen Beiträge, denen wir zustimmen, und reagieren besonders stark auf Inhalte, die unsere Gefühle ansprechen. So kann schnell der Eindruck entstehen, die eigene Sichtweise müsse richtig sein, weil scheinbar „alle“ um uns herum genauso denken.

Das Interessante daran: Intelligenz schützt nicht automatisch davor. Auch gebildete und analytische Menschen können sehr geschickt darin werden, Argumente zu finden, die genau das verteidigen, was sie ohnehin glauben möchten.

Deshalb gehört zu kritischem Denken mehr, als andere Menschen zu hinterfragen.

Manchmal beginnt es mit einer viel unangenehmeren Frage:

„Welche Information würde meine Meinung verändern – und wäre ich bereit, sie überhaupt zu akzeptieren?“

Vielleicht liegt genau darin eine der schwierigsten Formen geistiger Stärke: Nicht nur nach Beweisen für die eigene Meinung zu suchen, sondern auch ernsthaft jene Fakten anzusehen, die ihr widersprechen.

Denn eine Tatsache wird nicht falsch, nur weil sie uns nicht gefällt – und eine Überzeugung wird nicht wahr, nur weil wir sie gerne glauben würden.



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