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Geschichten aus meiner Welt

🦔 Die Igel am Waldrand Teil 2

In den folgenden Wochen begegnete die Frau ihren neuen Nachbarn immer wieder, meistens in der Dämmerung.
Meistens sah sie allerdings nur, was sie hinterlassen hatten.
Ein kleiner Blumentopf stand eines Morgens mitten auf dem Weg.
Ein Stück Moos, das am Abend noch neben der Gartenmauer gelegen hatte, befand sich am nächsten Tag unter der Hecke.
Und einen alten Gartenhandschuh suchte die Frau drei Tage lang, bevor sie bemerkte, dass ein Stück davon aus dem Laubhaufen ragte.
Sie zog daran.
Aus dem Inneren des Haufens kam ein empörtes Rascheln.
Die Frau ließ los.
„Na gut.“
Offenbar wurde der Handschuh gebraucht.
Ein anderes Mal hatte sie trockenes Laub zusammengerecht, weil sie es unter die Hecke bringen wollte.
Sie stellte den Rechen an die Hauswand und ging hinein, um sich eine Tasse Tee zu holen.
Als sie zurückkam, war von dem ordentlichen Haufen nicht mehr viel übrig.
Laub lag auf dem Weg.
Laub lag im Gras.
Ein Blatt hing sogar an der untersten Stufe vor der Haustür.
Unter der Hecke raschelte es verdächtig.
Die Frau betrachtete das Durcheinander.
„Aha“, sagte sie.
Dann trank sie ihren Tee.
Der Herbst wurde älter.
Die Sonne stand tiefer, und das Licht zwischen den Bäumen wurde golden. Immer mehr Blätter fielen, und unter dem Apfelbaum wurden die Äpfel weniger.
Ein paar blieben.
Die Frau ließ sie liegen.
Die drei Igel hatten viel zu tun.
Sie suchten unter Blättern und zwischen Wurzeln nach allem, was ein Igel im Herbst eben suchen muss. Sie verschwanden am Abend unter der Hecke und tauchten wenig später an einer völlig anderen Stelle wieder auf.
Gelegentlich jagten sie Dingen hinterher, die es nicht verdient hatten, gejagt zu werden.
Ein Blatt zum Beispiel.
Es war ein sehr gutes Blatt.
Der Wind trieb es über den Garten, und einer der Igel lief hinterher.
Der zweite folgte dem ersten.
Der dritte folgte selbstverständlich niemandem.
Er musste nur zufällig in dieselbe Richtung.
Dann kam der Regen.
Das Laub wurde dunkel und schwer. Die Äpfel glänzten nass im Gras, und wenn die Frau morgens vor die Tür trat, zog sie ihre Jacke enger um sich.
Abends raschelte es noch immer unter der Hecke.
Aber nicht mehr so lange.
Wenn es dunkel wurde, sah sie manchmal nur einen der drei durch das Gras laufen.
Manchmal zwei.
Und manchmal sah sie keinen.
Sie stellte keine Fragen.
Sie räumte den Laubhaufen nicht weg.
Der alte Gartenhandschuh blieb, wo er war.
Eines Morgens war der Rand der Vogeltränke mit einer dünnen Schicht Eis überzogen.
Die Frau strich mit einem Finger darüber, und das Eis zerbrach mit einem leisen Knacken.
Unter dem Apfelbaum lag noch ein einziger Apfel.
Sie hob ihn nicht auf.
Am Abend saß sie lange am Fenster.
Draußen bewegte der Wind die kahlen Zweige der Bäume.
Irgendwann hörte sie es.
Rascheln.
Kurz.
Dann noch einmal.
Und schließlich nichts mehr.
In dieser Nacht fiel der erste Schnee.
Nicht viel.
Gerade genug, um das Dach weiß zu machen, die Äste des Apfelbaums und den großen Laubhaufen unter der Hecke.
Am nächsten Morgen trat die Frau vor die Tür.
Sie blieb einen Moment stehen und sah hinüber.
Es raschelte nicht.
Sie lächelte.
Dann ging sie ins Haus.
Es gab eine Zeit, in der man nicht weiter musste.

Bild: KI-generiert
Text: @TanjaAurora

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