Geschichten aus meiner Welt
🦔 Die Igel am Waldrand Teil 1
Der Herbst war noch jung, als jemand im Dorf beschloss, dass die Frau am Waldrand ihren Garten aufräumen sollte.
Es war nicht das erste Mal, dass jemand so etwas beschloss.
Unter ihrer Hecke lag ein großer Haufen aus trockenem Laub und kleinen Zweigen. Unter dem Apfelbaum lagen Äpfel im Gras, und selbst oben zwischen den Ästen hingen noch ein paar, obwohl die Ernte längst vorbei war.
„Die sollten Sie aber langsam abnehmen“, sagte eines Tages ein Mann, der am Gartenzaun stehen geblieben war.
Die Frau blickte zum Apfelbaum.
„Nein“, sagte sie. „Die hängen da noch ganz gut.“
Der Mann blickte ebenfalls hinauf.
Das ließ sich schwer bestreiten.
Dann zeigte er auf den Laubhaufen.
„Und das da sollten Sie vor dem Winter auch noch wegräumen.“
„Das geht nicht“, sagte die Frau.
„Warum nicht?“
„Da wohnt schon jemand.“
Der Mann sah zur Hecke.
„Wer denn?“
Die Frau dachte einen Moment nach.
„Weiß ich nicht.“
Seit einigen Abenden raschelte es dort.
Das genügte ihr.
Was die Frau nicht wusste: Es wohnte dort nicht jemand.
Es wohnten dort drei.
Drei kleine Igel, die durchaus wussten, dass der Herbst nicht ewig dauern würde.
Die Nächte wurden länger. Morgens blieb der Tau immer länger auf dem Gras liegen, und manchmal roch die Luft schon so, als würde irgendwo hinter dem Wald der Winter warten.
Bald war Schlafenszeit.
Aber bald war nicht heute.
An einem Abend, als das letzte Licht noch zwischen den Bäumen hing, lag unter dem Apfelbaum ein Apfel.
Ein ausgesprochen interessanter Apfel.
Der erste Igel fand ihn.
Der zweite war sofort der Meinung, dass man ihn unbedingt irgendwohin bringen müsse.
Der dritte hielt sich aus der Sache heraus.
Zumindest so lange, bis die beiden anderen den Apfel gegen einen kleinen Stein rollten und er plötzlich in die falsche Richtung davonkullerte.
Dann rannten alle drei hinterher.
Der Apfel rollte den kleinen Hang hinunter, vorbei an der Hecke, über den Weg und blieb schließlich direkt vor der Haustür liegen.
Die drei Igel blieben einige Schritte entfernt stehen.
Die Tür ging auf.
Die Frau sah den Apfel.
Dann sah sie die drei Igel.
Die drei Igel sahen die Frau.
Eine Weile geschah nichts.
Dann nahm die Frau den Apfel, trug ihn zurück zum Baum und legte ihn ins Gras.
„Da gehört er hin“, sagte sie.
Ob sie damit recht hatte, wurde unter den Igeln später noch ausführlich diskutiert.
Teil 2 folgt im nächsten Posting...
Bild: KI-generiert
Text: @TanjaAurora
https://t.me/orgonitwerkstatt
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