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🏛️ Der Jelissejew-Laden: Ein Palast des Essens und ein Theater des Luxus am Newski-Prospekt
Heute gehen wir in einen der luxuriösesten Delikatessenläden Russlands — einen Ort, an dem Lebensmittel zwischen Kristall und Spiegeln verkauft wurden.
🍊 Ein Imperium, das mit einer Orange begann
Der Gründer der Dynastie war ein leibeigener Gärtner des Grafen Scheremetew. Der Familienlegende zufolge zog er eines Winters für den Grafentisch frische Erdbeeren heran — und erhielt dafür die Freiheit.
Nach dem Erhalt der Freiheit begann Pjotr Jelissejew in Petersburg mit dem Handel von Obst, darunter Orangen. Im Winter wirkten sie wie eine echte Exotik. Nach und nach wuchs aus dem kleinen Geschäft ein riesiges Handelsimperium.
Ende des 19. Jahrhunderts betrieb das Handelshaus „Brüder Jelissejew“ bereits Großhandel mit Wein, Obst und Delikatessen, und der Name Jelissejew wurde zum Synonym für teure Qualität.
1898 erwarb Grigori Jelissejew ein Grundstück an der Ecke des Newski-Prospekts und der Malaja Sadowaja-Straße und beschloss, hier ein Geschäft neuen Typs zu errichten.
🏗️ Baranowskis Meisterwerk
Den Entwurf übertrug man Gavriil Baranowski, einem Architekten, der viel für die Familie Jelissejew arbeitete.
Das Gebäude wurde 1902–1903 errichtet. Vor dem Hintergrund der strengen Bebauung des Newski-Prospekts wirkte es fast provokant.
Die Hauptfassade wurde von einem riesigen Glasbogen in Höhe von mehreren Stockwerken durchbrochen als wäre der ganze Laden zu einer einzigen gigantischen Schaufensterfront geworden. Darüber wurden vier allegorische Skulpturen von Amandus Adamson angebracht: „Industrie“, „Handel“, „Kunst“ und „Wissenschaft“.
✨ Tempel des Luxus
Am 7. September 1903 wurde der Laden feierlich geweiht. Zur Eröffnung versammelte sich die gesamte Petersburger Gesellschaft.
Im Inneren befanden sich drei Verkaufsräume mit Spiegeln, bronzenen Leuchten, Marmortheken und einer Ausstattung aus Mahagoni. Der Hauptsaal war zweigeschossig angelegt, und die riesigen Kristalllüster wurden zu seinem Markenzeichen.
Mit ihnen ist eine städtische Legende verbunden: Angeblich ließ Jelissejew vor seiner Emigration das Familiengold zu einem Kronleuchter einschmelzen und ihn im Laden aufhängen. Tatsächlich entstanden die Kronleuchter später, doch die Geschichte war so schön, dass sie bis heute weitererzählt wird.
In den Kellern befanden sich Lager und die berühmten Weinkeller — einige der besten in Europa.
🎭 Theater über dem Delikatessenladen
Im zweiten Stock befand sich ein Theatersaal, der 1904 eröffnet wurde. Er war für fast 500 Zuschauer ausgelegt: Parkett, Balkone und Logen.
In sowjetischer Zeit arbeitete hier das Satiretheater, und seit 1929 das Komödientheater. 1935 übernahm es Nikolai Akimow. Genau für dieses Theater schrieb Jewgeni Schwarz „Der Schatten“ und „Der Drache“. Heute trägt das Theater Akimows Namen.
🧀 Was verkauft wurde
Das Sortiment war auf ein Publikum ausgelegt, das schwer zu beeindrucken ist. Hier verkaufte man seltene Weine, Kaviar, Stör, teure Käsesorten, exotische Früchte und Baccarat-Kristall.
Vor den Feiertagen reihten sich Kutschen vor dem Laden, und die Einkäufe selbst wurden zu einem gesellschaftlichen Ritual.
📜 Sowjetzeit und Wiedergeburt
Nach der Revolution wurde der Laden verstaatlicht. Er änderte mehrmals seinen Namen, bis er zum berühmten „Lebensmittelgeschäft Nr. 1“ wurde. Selbst in sowjetischer Zeit kamen die Menschen hierher nicht nur wegen der Lebensmittel, sondern auch, um die Innenräume anzusehen.
In den Jahren 2011–2012 wurde das Gebäude restauriert, wobei die Ausstattung anhand alter Fotografien rekonstruiert wurde. In den Schaufenstern erschienen bewegliche Figuren aus dem „Nussknacker“ nach Motiven von Michail Schemjakin.
Heute ist Jelissejew-Laden eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Newski-Prospekts und ein Objekt des Kulturerbes von föderaler Bedeutung.
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