Dr. Nehls beruft sich gern auf „1000 Studien“, umso mehr sollte sein Auftritt im EU-Parlament mit starker Evidenz glänzen. Doch wir haben bereits gezeigt, dass seine Aussagen zu Langlebigkeit und Krebs auf methodisch unhaltbaren Studien beruhen. Seine zentrale These zur Psyche stützt er auf eine Meta-Analyse von Eyre-Watt et al., laut der Lithium Suizide verhindern und Klinikaufenthalte reduzieren soll. Auch diese handverlesene Studie ist ein methodisches Desaster und liefert alle Argumente, warum ihre eigene Schlussfolgerung nicht haltbar ist.
Was die Studie wirklich zeigt – Einige Schwachpunkte:
1️⃣ Keine RCT & fehlende Dosis-Wirkung
→ Die Studie kann von vornherein keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen, da sie nur Zusammenhänge beobachtet. Schlimmer noch: Der entscheidende Test für eine echte Wirkung schlug fehl – es gab keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der Lithium-Dosis und der Suizidrate.
> “The inclusion criteria … included (1) an observational design (cohort, cross-sectional, case–control or longitudinal) ”
> "A meta-regression analysis ... found no significant association of mean lithium levels and suicide rates."
2️⃣ Publikations-Bias – Effekt verpufft
→ Die Autoren fanden eine statistische Verzerrung, die darauf hindeutet, dass Studien mit positiven Ergebnissen bevorzugt veröffentlicht wurden (das "Schubladen-Problem"). Nachdem sie diese Verzerrung herausrechneten, war der angebliche Schutzeffekt von Lithium statistisch nicht mehr nachweisbar.
> “significant indication of publication bias … adjusted values r = −0.080 (95 % CI −0.188…+0.029)”
3️⃣ Lithium gar nicht individuell erfasst😳
→ Werte wurden Gemeinden zugeordnet; niemand weiß, wer wie viel trank. Niemand weiß, wie viel Lithium die Menschen, die Suizid begingen, tatsächlich im Blut hatten.
> “Lithium concentrations … were measured across geographical regions rather than individuals”
4️⃣ Massive Widersprüche zwischen den Studien
→ Die Ergebnisse der einzelnen Studien waren extrem inkonsistent (Heterogenität I² ≈ 81 %). Das ist, als würde man den Durchschnittsverbrauch von einem LKW, einem Sportwagen und einem Moped berechnen – das Ergebnis ist für kein Fahrzeug aussagekräftig.
> “with significant heterogeneity … I2 = 80.7 %”*
5️⃣ Rest-Confounding
→ Die Autoren geben selbst zu, dass Störfaktoren wie Alter, Einkommen oder Urbanität in den Studien völlig unterschiedlich oder gar nicht berücksichtigt wurden. Man kann also nicht wissen, ob der gemessene Effekt vom Lithium oder doch von der Armut oder der besseren Gesundheitsversorgung einer Region kommt.
> "Studies commonly adjusted for age, gender and population size, although these were inconsistently applied and varied widely."
> "as was the methods of ascertaining lithium-level concentrations and the measurements used to report suicide and lithium levels. "
6️⃣ Veraltete Daten & widerlegte Kausalität bei Klinikeinweisungen
→ Die gesamte Analyse zu Klinikeinweisungen stützt sich auf nur zwei US-Studien aus den 1970er-Jahren. Schlimmer noch: Eine dieser beiden Schlüsselstudien wurde bereits 1972 widerlegt. Eine Re-Analyse kam zu dem Schluss, dass nicht das Lithium, sondern schlicht die bessere Erreichbarkeit der Kliniken die Einweisungsrate erklärte.
> “Two studies … Dawson 1970; Voors 1972 … included in the meta-analysis of hospitalisations.” [...] "Pokorny et al. (1972) re-analysed the findings from Dawson et al. (1970) and found that geographic proximity to hospitals was a better explanation for hospital admission rates rather than lithium concentrations."
7️⃣ Gegenteilige Ergebnisse bei Schizophrenie
→ Die Studie berichtet über dänische Daten, die bei hohem Lithium sogar ein höheres Risiko für Schizophrenie fanden (IRR ≈ 1.23). Das widerspricht der Hypothese eines allgemein positiven Effekts komplett.
> “those exposed to the highest concentrations … greater risk of schizophrenia (IRR = 1.23)”
—
💡Echte RCTs entzaubern den Lithium-Mythos. (Siehe Hier)
🔥Mythen sofort erkennen? Mit der NEXIQA-App