Charlotte Kaufmann schreibt:
"...
Das Wirtschaftssystem belohnt bis heute vor allem jene Tätigkeiten, die der Machterweiterung übergeordneter Strukturen dienen. Wer einmal in höheren Unternehmensebenen gearbeitet hat, wird häufig feststellen: Vieles wirkt irrational.
Es geht oft weniger um sinnvolle Lösungen als um Rechthaberei, Hierarchien und Dominanzkämpfe. „Infantil“ nannte ich das früher, heute nenne ich es „männlich“.
Deshalb werden existenzielle Tätigkeiten wie Landwirtschaft, Fürsorge, Kinderförderung, Pflege oder Wohnraumschaffung vergleichsweise schlecht bezahlt.
Diese Bereiche dienen nicht unmittelbar der Machtakkumulation der oberen Ebenen.
Dort existiert meist kein echter Mangel mehr – sondern die Frage, wie sich Einfluss und Kontrolle weiter ausbauen lassen.
Daraus entstehen absurde gesellschaftliche Dynamiken: Menschenhandel, Gewaltfantasien, mediale Dauerprovokation, künstlich erzeugte Konflikte, politische Symboldebatten, Medikamente gegen Symptome statt Lösungen für Ursachen, permanente Stressproduktion bei gleichzeitiger Vermarktung von „Entlastung“.
Gleichzeitig wundert man sich darüber, dass Menschen erschöpft, aggressiv oder orientierungslos werden.
Das Wirtschaftssystem dient daher nicht primär dem fairen Austausch von Waren und Arbeitskraft.
Es wurde historisch vor allem zur Ausweitung männlicher Machtstrukturen entwickelt. Es geht ums Gewinnen.
Und Frauen übernehmen dabei oft dieselben Rollen: pflegen, motivieren, tragen, erklären, Hoffnung spenden, emotional stabilisieren – und Kinder bekommen, damit das System weiterbesteht.Mittlerweile ist dieses System so überkomplex und instabil geworden, dass ein einziger großer Ausfall – Strom oder Internet – reichen würde, um weite Teile kollabieren zu lassen.
Viele Menschen wären völlig orientierungslos.
Dabei könnten lokale Gemeinschaften mit Landwirtschaft, Wohnraum, Versorgung und gegenseitiger Unterstützung deutlich stressfreier funktionieren.
Hunderttausend Menschen könnten sich auf regionaler Ebene relativ problemlos versorgen.
Die Arbeit hätte wieder einen sichtbaren Sinn, soziale Beziehungen würden sich entspannen und der Alltag wäre weniger entfremdet.Will man also verstehen, warum wir in einer Welt leben, die oft grotesk wirkt – in der Menschen Entscheidungen treffen, die Millionen betreffen, obwohl sie emotional unreif erscheinen –, dann muss man die Verbindung aus männlichem Allmachtsstreben, weiblicher Traumatisierung und patriarchaler Kontrolle erkennen.
Erst wenn immer mehr Menschen beginnen, diese Mechanismen zu durchschauen, ihren Kindern erklären und sich innerlich wie äußerlich aus diesen Strukturen lösen, entsteht langfristig die Möglichkeit echter Veränderung.
Viele der destruktiven und perversen Dynamiken, die uns medial, kulturell und gesellschaftlich begegnen, können erst aufgelöst werden, wenn man erkennt:
Diese Systeme sind konstruiert. Und sie konnten nur entstehen, weil Männer über lange Zeiträume die Macht an sich rissen. ..."
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