Du liebes Herz…
Michaelitag
Vielleicht ist Mut viel leiser, als wir denken..
Als Kinder glaubten wir, Drachen seien große Wesen.
Sie spucken Feuer.
Sie sind laut.
Und man erkennt sie sofort…
Später merken wir - die Drachen eines Erwachsenenlebens sehen anders aus…
Manchmal heißen sie:
Was, wenn ich nicht gut genug bin?
Was, wenn ich jemanden verliere?
Was werden die anderen denken?
Was, wenn ich mich entscheide und es bereue?
Was, wenn ich meinem Herzen folge und am Ende allein dastehe?
Und manche dieser Drachen begleiten uns jahrelang…
Sie sitzen nicht vor uns.
Sie sitzen in uns.
Vielleicht ist das Bild des „Michael“ deshalb heute so berührend.
Nicht, weil wir gegen etwas kämpfen sollen.
Vielleicht weil es Augenblicke im Leben gibt, in denen wir aufhören müssen, vor dem davonzulaufen, was uns Angst macht…
Vielleicht bedeutet Mut nämlich gar nicht:
Ich habe keine Angst.
Vielleicht bedeutet Mut:
„Ich habe Angst. Aber sie entscheidet nicht mehr für mich.“
Wie oft haben wir Dinge nicht gesagt, weil wir Angst hatten, jemanden zu verlieren?
Wie oft sind wir geblieben, obwohl etwas in uns längst gehen wollte?
Wie oft haben wir uns kleiner gemacht, damit wir nirgendwo anecken?
Und wie viele Träume haben wir mit dem Satz beruhigt:
Irgendwann vielleicht.
Michaelitag fällt in eine besondere Zeit.
Das Licht draußen wird weniger.
Die Abende kommen früher.
Und vielleicht erinnert uns gerade diese Jahreszeit daran:
Wir brauchen nicht nur Licht um uns herum. Irgendwann dürfen wir uns erinnern, eines in uns selbst anzuzünden…
Vielleicht gibt es gerade etwas in deinem Leben, vor dem du schon lange stehst.
Ein Gespräch.
Eine Wahrheit.
Eine Entscheidung.
Oder einfach den Mut, endlich zuzugeben, was du wirklich fühlst…
Dann musst du heute keinen Drachen besiegen.
Du musst keine Heldin und kein Held sein.
Vielleicht genügt etwas viel Kleineres:
Bleib stehen.
Lauf diesmal nicht vor dir selbst davon.
Leg eine Hand auf dein Herz und sage:
Ich weiß nicht, wie es ausgehen wird.
Aber ich möchte mein Leben nicht länger danach ausrichten, wovor ich Angst habe.
Denn vielleicht ist das die eigentliche Kraft Michaels..
Nicht das Schwert.
Nicht der Kampf,
sondern dieser eine Moment, in dem ein Mensch vor etwas steht, das ihm Angst macht und trotzdem nicht mehr zurückweicht.
Und vielleicht wirst du irgendwann zurückblicken und erkennen:
Der mutigste Moment deines Lebens war gar nicht der, in dem du keine Angst mehr hattest…
es war der Moment, in dem du aufgehört hast, ihr dein Leben zu überlassen…
Hab einen guten Michael-Tag und sooo schön, dass es genau dich gibt..
Mathilde
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