In den Tiefen des Meeres da wohnen sie, die Selkies, Wesen die zwischen zwei Welten wandeln. Im Wasser sind sie Robben, und ihr Fell glänzt wie schwarzgrauer Samt unter dem leuchtenden Mondlicht. Doch wenn die Nacht still und der Mond voll ist, steigen sie an Land, legen ihre Häute ab, und verwandeln sich in wunderschöne Frauen und Männer, mit Augen die so tief sind wie das Meer selbst.
Auf den Stränden der Hebriden und der Isle of Skye tanzen sie im silbernen Licht des Mondes, singen sie ihre Lieder, die das Herz eines jeden sterblichen Zuhörers betören. Doch ihre Freiheit zwischen den Welten ist immer eine Gratwanderung. Denn wird ihre Robbenhaut gestohlen oder versteckt, so können sie nicht mehr ins Meer zurückkehren. Gefangen in der Menschenwelt, werden sie dann oft zu Ehefrauen, und obwohl sie treu sind, so bleibt ihr Blick immer sehnsüchtig auf die Wellen gerichtet.
Findet ein Selkie jedoch eines Tages ihre Robbenhaut wieder, so gibt es kein Zögern. Mit einem letzten Blick verlässt der Selkie dann die Welt der Menschen, und kehrt zurück in die unendliche Umarmung des Ozeans, dorthin, wo ihr wahres zu Hause ist.
So lehren die Selkies uns die Kraft der Freiheit und der Sehnsucht. Sie erinnern uns daran, dass niemand ewig gezähmt werden kann, wenn seine Seele dem Meer gehört.
©Maria Solva Roithinger
📱 t.me/HueterderIrminsul ✅
Post #5670
1.94K
