Ernährungsreform
Dr. H. Will (1926) ..........(Fortsetzung)
Zwiebel und Radieschen, sowie Rettich und Kohlrüben lassen sich recht gut roh zum Brot essen. Ebenso der Kopfsalat, der aber richtig angemacht sein muß (kein Essig !). Nicht zu vergessen die rohe, frische, aus der Hand zu essende Gurke! Im allgemeinen werden wir aber immer die Früchte als die beste und bequemste Zukost zum Brot zu betrachten haben. Wenn erst unser Weizenschrotbrot allgemein auf dem Markt sein wird, ist dies eine billige und auch auf Reisen leicht zu ermöglichende Kost, da auch in kleineren Orten Obst schon im Straßenverkauf zu haben ist. Wer aus irgendwelchen Gründen das Brot nicht selbst im Hause backen kann oder mag, der gebe das Rezept einem Bäcker und werbe in seinem Bekanntenkreis für das Brot, damit sich seine Herstellung auch lohnt. Aber man achte peinlich darauf, daß die Bäcker nicht anfangen zu plantschen, daß sie den Weizen selbst schroten, daß sie braunen Zucker (Rohzucker, Rohrzucker) nehmen, daß bei mittlerer Hitze 4 Stunden lang gebacken wird und daß der Bäcker ein anständiger, ehrenhafter Mann ist.
III. Übergang
Brot - aber richtiges! - und Frischobst oder Frischgemüse ist die naturgemäße Nahrung des Menschen. Streng genommen ist ja selbst das Brot schon ein Kunstprodukt und (-zu jeder Kunst gehören Künstler-) deshalb auch der Verhandwerkisierung und Verfälschung zugänglich, wie wir sahen. Die wirklich naturgemäße Nahrung des Menschen sind Früchte und Samen, also Getreidekörner im Naturzustand genossen und in der Mühle der Zähne gemahlen. Aber ich habe noch von keinem Menschen unserer Breiten gehört, daß er seinen Organismus, außer bei gelegentlichen Versuchen, auf diese reine Naturkost umstellen konnte, weshalb diese Ernährung für die nächsten Generationen wohl kaum durchführbar sein dürfte. Da hier nur praktisch erprobtes und durchführbares angegeben werden soll, genügt der Hinweis. Früchte und Samen sind keinen Verfälschungen durch menschlichen Unverstand und wissenschaftlichen Irrtum zugänglich. Die Natur selbst irrt sich nie und ist der einzige verläßliche Maßstab, den wir haben. Umso eindringlicher muß nochmals auf die richtige Brotbereitung verwiesen werden. Nun aber kommt das große Aber, das den meisten Lesern auf der Zunge liegen wird. Ist denn diese Ernährung überhaupt durchführbar? Genügt sie zur Erhaltung der körperlichen Funktionen? Werden wir nicht verhungern? Was soll mit den übrigen Lebensmitteln geschehen? Kann man von einem Tag auf den anderen zu dieser Ernährung übergehen? Diese Fragen lassen sich nur je nach Lage der Verhältnisse beantworten. Auch hier haben wir nur einen einzigen zuverlässigen Maßstab: wiederum die Natur, dieses mal aber die Natur in uns selbst. So unbedingt ich diese Ernährung befürworten möchte, so sehr weiß ich doch, daß es zahlreiche Menschen gibt, die davon Schaden haben und ihr Leben lang nicht dazu kommen werden. In uns liegt zum Teil infolge einer unendlich langen Vererbungskette so viel Unnatur konzentriert, so viele Fremdstoffe und Schlacken, daß ein plötzlicher Übergang zu tödlicher Erkrankung, ein allmählicher zu ewigem Unbehagen und Schwäche führen kann. Ebensowenig, wie man einem älteren Herrn, der sein Leben lang an Alkohol gewöhnt war, diesen selbst bei schwerer Erkrankung verbieten soll, ebensowenig soll man ältere Leute zur Aufgabe der gewohnten Lebensweise n ö t i g e n. Auch läßt man diejenigen Menschen, deren Inneres sich dauernd absolut gegen diese Ernährung sträubt, am besten ihren Trab ruhig weiterlaufen, ohne jedoch zu unterlassen, sie immer wieder durch Vorbild und taktvolle Belehrung auf die Forderungen der Natur hinzuweisen. Ganz falsch ist alles Überreden oder gar Zwingen. Wer ohne innerste Überzeugung, unter ständigen Zweifeln und innerer Abwehr zur Rohkost übergeht, dem wird sie bestimmt schaden. … (Fortsetzung folgt)
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