März 1952
Dr. med. homöop. Heinrich Will (1891-1971)
Staatsgewalt und Zahngesundheit
Die Wissenschaft erforscht den Menschen, indem sie ihn in seine Teile zerlegt, aber auch diese Teile sind so kompliziert, dass die Forscher sich in oft lebenslänglicher Arbeit auf einzelne Gebiete spezialisieren müssen. Hierbei gerät das Denken leicht so in den Bann des Einzelteiles, dass darüber das Ganze vergessen wird. Dies muss besonders der Staat beachten, wenn er eine gewaltsame kollektive Gesundheitspflege betreiben will, sonst kann aus Kurzsichtigkeit der Schaden größer werden als der Nutzen. Gegenwärtig möchten die Behörden der zunehmenden kindlichen Zahnfäule Einhalt gebieten und wollen zu diesem Zweck, vorerst probeweise in Kassel, dem Trinkwasser Fluor zusetzen. Die homöopathischen Arzneiprüfungen haben ergeben, dass kleine Mengen Fluor verhärtend auf die Zähne wirken und daher zu einem kräftigen Zahnwuchs führen. Diesen Vorteil kann man allen Kindern stillschweigend zugute kommen lassen, wenn man dem Trinkwasser einer ganzen Gemeinde Spuren von Fluor zusetzt, und da das Trinkwasser unter behördlicher Kontrolle steht, ist die technische Durchführung der Fluorisierung eine höchst einfache Angelegenheit. Fürs Einzelne, die Zähne, ist dies gewiss richtig, aufs Ganze gesehen, sieht die Sache jedoch wesentlich anders aus. Fluor wirkt nicht nur auf die Zähne verhärtend, sondern auf den ganzen Organismus. Wer also z.B. zu Drüsenschwellungen oder Geschwülsten neigt, der muss damit rechnen, dass diese sich unter der Fluorwirkung verhärten. Dass dies tatsächlich geschehen ist, haben die homöopathischen Fluor-Prüfungen einwandfrei bewiesen. Wird in einer Gemeinde das Trinkwasser mit Fluor vermischt, dann wird es ja von der ganzen Gemeinde, also auch von der Erwachsenen getrunken. Was den Kindern zu harten Zähnen verhilft, kann den Erwachsenen bösartige Verhärtungen bescheren, ganz abgesehen von anderen Fluorschädigungen. Die Fluorwirkung auf die kindlichen Zähne lässt sich durch die amtliche Schulzahnpflege statistisch erfassen - und günstige amerikanische Zahnstatistiken haben die behördlichen Fluorpläne ausgelöst - die übrigen Fluorschäden aber sind statistisch nicht feststellbar, weil weder die Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, noch ausreichende Einrichtungen dafür vorhanden sind. Aufs Ganze gesehen, sind also die Fluor-Zahnstatistiken eine Täuschung. Will man die härtende Fluorwirkung für den kindlichen Zahnwuchs nutzbar machen, dann gibt es nur den individuellen Weg: Aufklärung der Eltern, damit sie Arzt oder Zahnarzt von Fall zu Fall entscheiden lassen, ob Fluorbehandlung angebracht ist und in welcher Dosis. Jede kollektive Maßnahme oder gar die Vergewaltigung der ganzen Bevölkerung durch Fluorbeimischung zum Trinkwasser ist vom gesundheitlichen und wohl auch vom juristischen Standpunkt aus zu verwerfen. Wie sehr die Bevölkerung durch alle Machinationen an Trinkwasser beunruhigt wird, zeigen die Proteste gegen die Chlorierung des Trinkwassers durch die Besatzungsmacht.
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