Ernährungsreform
Dr. H. Will (1926) Fortsetzung
Die richtige Zukost zum Brot ist von den Lebensreformern in Deutschland schon längst propagiert worden, als die Wissenschaft von Kompletinen und Vitaminen noch nichts wußte. Wir brauchen uns nur an Schlickeyson's «Brot und Frucht» zu erinnern. Die Wissenschaft hinkt immer nach, und zwar in allem. Ehe der erste deutsche Professor die Richtigkeit der Homöopathie anerkannte (Geheimrat Bier im Sommer 1925) bestand dieselbe schon 100 Jahre, nur denen zugänglich, die es «hinten herum», von Mund zu Mund erfuhren.
Die Früchte sind die naturgemäße und gesündeste Zukost zum Brot. Sie enthalten fast alle (Birnen und Pflaumen nur Spuren) das im Brot fehlende C, außerdem aber reichlich die anderen Ergänzungsstoffe (einige nur Spuren von A) und haben fast alle einen bedeutenden Basenüberschuß (Ausnahme Preißelbeeren mit 10 Prozent Säureüberschuß). Die Früchte müssen roh gegessen werden, da gekocht ihre Vitamine und Kompletine sich verflüchtigen. Eine Himbeermarmelade, die wegen ihres besonderen Reichtums an C zum Brot ganz besonders passen würde, darf also nur eben einen Moment aufgekocht haben und muß luftdicht abgeschlossen werden.
Butter oder andere Fette aufs Brot zu streichen ist nicht empfehlenswert, da Butter einen Säureüberschuß von 6 Prozent hat, Margarine 7,5 Prozent, Palmin gar 46 Prozent, von welch letzterem überhaupt aus später zu behandelnden Gründen abgeraten werden muß. Von den Nußmusen als Brotaufstrich sollte Erdnußmus ganz gemieden werden (11 Prozent Säureüberschuß), während Hasel-, Walnuß- und Mandelmus mit dem nur minimalen Säureüberschuß von 2 Prozent nicht gerade schädlich sind. Dasselbe gilt von der Butter, wenn sie geklärt, d. i. ausgelassen ist. Notwendig ist jedoch keinerlei Aufstrich, und wir werden auch aus wirtschaftlichen Gründen immer mehr lernen müssen, alles unnötige aus unserer Ernährung auszuschalten. Neben den Früchten sind es die Gemüse, die als Zukost zum Brot in Frage kommen. Aus praktischen Gründen übergehen wir hier von vornherein alle die Gemüse, die nur gekocht genossen werden können, weil solche zu einer Brotmahlzeit nicht in Frage kommen. Es bleiben noch genug, um uns eine reichliche Auswahl zu geben, wenn einmal Früchte nicht bei der Hand sind oder man eine Abwechslung haben möchte. An erster Stelle sei die Tomate empfohlen, die man auch zu den Früchten rechnet. Sie kann roh gegessen werden, wie ein Apfel. Man kann aber auch einen schmackhaften Salat herstellen mit Zwiebeln und Zitronensaft (keinen Essig!). Die Möhre (Karotte) ist neben Tomate und Spinat das an Ergänzungsstoffen reichste Gewächs, das wir überhaupt haben. Sie sollte immer mehr Volksnahrungsmittel werden, weil sie sehr billig kultiviert werden kann und sich außerordentlich lange frisch hält. Wer sie nicht gerne im Ganzen wie den Apfel ißt (eine der besten Übungen zum Fletschern!), der kann ebenfalls einen vorzüglichen, rohen Salat aus ihr bereiten, indem er sie reibt und mit Zitrone, Öl und etwas Zwiebel und etwas Kümmel anmacht. (Fortsetzung folgt)
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