Ernährungsreform
Dr. H. Will (1926) Fortsetzung
Wir holen den Weizen nicht beim Bäcker oder Müller, sondern direkt beim Bauern, weil wir nur da die Garantie der Reinheit der Frucht haben und weil er da am billigsten ist. Wenn wir selbst etwas Land haben, so verwenden wir es zuerst zum Weizenbau und erst in zweiter Linie für Kartoffeln und andere weniger wertvolle Nahrungsmittel. Wir schroten den Weizen selbst auf einer Hausschrotmühle, die überall zu haben ist. Warum wollen wir erst andere Leute Zwischengewinne machen lassen, wo wir dann nicht einmal die Gewißheit haben, daß wir unser reines Schrot zurückbekommen? Das Schroten erfordert etwas Kraft und Ausdauer, und hier wird der Mann seiner Frau gerne zur Hand gehen.
Zu etwa zwei Kilo Schrot geben wir als Trieb: ein Liter lauwarmes Wasser, ein Eßlöffel Salz, vier Eßlöffel Honig, oder braunen Zucker und zwei Eßlöffel reines Olivenöl. Dies verrühren wir mit dem Schrot am Abend so, daß. ein gleichmäßiger, knetbarer Teig entsteht und lassen diesen über Nacht an einem warmen Orte stehen. Am nächsten: Morgen beginnt die Hauptarbeit der Frau, auf die zur Erzielung eines guten Brotes alles ankommt: das K n e t e n •. Kraft, Geduld und Liebe ist dazu notwendig, und man lasse nicht ab, bis ein völlig gleichmäßiger, elastischer Teig entstanden ist. Zur besseren Bindung bediene man sich etwas Mehl, das man ab und zu auf das Knetbrett streut. Hefe oder Sauerteig als Trieb sind nicht gesundheitsmäßig. Sie erzeugen Gärung und Säure, die nicht nur die wichtigsten Nährstoffe des Kornes zersetzen, sondern auch im Magendarmkanal des Menschen Gärungen hervorrufen. Auch Backpulver, das man immerhin einmal zur Probe versuchen möge, hat sich mir nicht bewährt. In meinem Hause wird seit langem das Brot nach dem obigen Rezept gebacken, das ich der «Heildiätetik» von St. Omar (Geberverlag, Freiburg) verdanke. Der obige Trieb hat sich bei vielfachen Versuchen immer noch als der beste erwiesen, wenngleich ich zugebe, daß er noch kein Ideal darstellt und daß ein Verfahren mit Luft als Trieb gefunden werden müßte, das aber in jedem Haushalt durchführbar sein muß.
Nun kommt der zweite wichtige Prozeß beim Brotbacken: Der Backprozeß, auf dessen richtige Durchführung alles ankommt. Der geknetete Teig wird in gut geölte Backformen gegeben, die man zu 2/3 füllt und mit einem Deckel zudeckt. Zum Backen genügt die Backröhre jedes guten Herdes oder Gasherdes. Aber es kommt darauf an, daß ein mittleres Feuer g l e i c h m ä ß i g erhalten wird, und da bleibt es der Hausfrau nicht erspart, während des ganzen, etwa vier Stunden dauernden Backprozesses am Herd zu sitzen und auf das Feuer zu achten. In die Backröhre stelle man ein Töpfchen mit Wasser, um die Luft darin feucht zu erhalten, und öffne die Röhre nicht während der Backzeit. Was dann herauskommt ist ein köstlich duftendes, aromatisches Brot, das man kurze Zeit in feuchte Tücher hüllt, wenn man die Rinde nicht zu hart haben will. Es darf nicht frisch gegessen werden, und wir bewahren es, in Ölpapier gewickelt, an einem dunklen, trockenen Orte auf, am besten in irdenen Schüsseln. (Fortsetzung folgt)
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