Ernährungsreform
Dr. H. Will (1926) Fortsetzung
Mit der Brotfrage machen wir es ähnlich. Unsere Hausfrauen, denen am Glück ihrer Familie gelegen ist, müssen das Brotbacken wieder lernen! Nur dann haben wir die Garantie eines unverfälschten Brotes. Ich habe durchaus Verständnis für die enormen Leistungen der Technik und erwarte von ihr noch ganz andere Vorteile für die Menschheit. Aber ich bin ein erbitterter Gegner jeder fabrikmäßigen Massenherstellung von Lebensmitteln überhaupt, und ganz besonders natürlich des Brotes. Auf diesem Gebiete wird die Industrie nur Unheil bringen. Ich weiß, daß eine Massenfabrikation eine Verbilligung bringt. Aber auf dem Gebiete der Lebensmittel ist mit einer solchen Verbilligung stets ein Qualitätsverlust verbunden und die Ware damit praktisch teurer. Wir haben auch für die Zukunft nicht das geringste von diesem Industriezweig zu erhoffen, und bezüglich des künstlichen Brotes in der Westentasche, das sogar von namhaften Gelehrten erstrebt wird, kann man nur sagen: Der Herr behüte unser Volk vor diesem Übel.
Derartige Errungenschaften, wie überhaupt fast die ganze Lebensmittelindustrie, sind in der Hauptsache auch nur für das „arbeitende Volk“ der Großstädte gedacht und es zeugt von gewisser Lieblosigkeit gewisser Behörden, Institute und deren Berater, die dem „Volk“ die Ramschnahrung von Konserven, Margarinen, Manschbrot usw. zumuten und aufsuggerieren. Was der Mensch ißt, ift er, und wir alle haben es zu büßen, daß wir die durch die Unterernährung entstandene geistige, seelische und körperliche Minderwertigkeit unserer unteren Volksschichten ohne Gegenaufklärung zulassen. Aber dies kostet nicht nur einen Kampf gegen die Vertreter der falschen Ernährungslehre, die zur Zeit die Macht in Händen haben, sondern einen Kampf gegen die trägen Gewohnheitsmenschen selbst. Möge doch jeder der dies einsieht zunächst im eigenen Hause anfangen und ein Vorbild schaffen. Es soll nicht übergangen werden, daß wir in der Lebensmittelindustrie heute einige anerkennenswerte Reformbetriebe haben, die gute Brot-, Getreide- Nuß- und ähnliche Waren auf den Markt bringen. Sie sind zu begrüßen, aber dennoch bleibe ich bei der prinzipiellen Ablehnung solcher Betriebe. Die Waren sind oft vorzüglich, solange durch einen idealen Leiter das ernste Streben gewährleistet ist. Meist sind aber die Söhne schon anderen Geistes, und kommt die Fabrik gar durch Kauf in ganz andere Hände, dann fängt unter dem alten guten Namen bald die Manscherei an. Außerdem sind diese Fabriken als kapitalistische Unternehmungen von den jeweiligen geschäftlichen „Konjunkturen“ abhängig und lassen sich in ungünstigen Zeiten dann nur zu leicht zur Aufnahme minderwertiger Artikel oder anderen, bequemeren Herstellungsverfahren verführen.
Zum Schluß endlich, und dies ist vielleicht das wichtigste: Wer sagt dem Verbraucher, welcher Geist in den Räumen herrscht, in denen die Ware hergestellt ist? Durch welche Hände die Ware gewandert, mit welchen persönlichen Ausstrahlungen sie gesättigt ist? Die Hände strahlen das Wesen des ganzen Menschen aus und übertragen es auf seine Umgebung. Da nützen weder weiße Mäntel, noch Kopftücher, noch Handschuhe. Die Übertragung von Krankheitskeimen ist unwichtig und durch geeignete Vorbeugung zu vermeiden. Die geistige Ausstrahlung ist mit materiellen Mitteln unabwehrbar, und es ist gut, daß die Kenntnisse über diese Kräfte im Wachsen sind. Hier lachen die „Offiziellen“, wirklich lachen aber können die, die diese Kräfte kennen und die Nutzanwendung daraus ziehen können. (Fortsetzung folgt)
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