August 1950
Gesundheitspflege im Hochsommer (August)
Unser Vertrauensarzt schreibt:
Die Natur schüttet im Sommer ihre Früchte aus und befreit sich damit von den Stoffen, welche die Sonnenkraft aus dem Stoffwechsel der Erde zum Leben erweckt hat. Nehmen wir dies als ein Gleichnis für den Menschen, dessen Gesundheit davon abhängt, dass er sich in ununterbrochener Spirale von innen nach außen, also geist-seele-leibwärts, erneuert!
Die Fleischzellen seines Leibes sterben unaufhörlich ab und werden durch Haut und Ausscheidungsorgane nach außen abgestoßen, während in seinem Innern in unaufhörlichem Schöpfungsvorgang neue Fleischzellen entstehen. Vor der Geburt des Fleisches stehen Licht, Gas- und Saftprozesse, zwischen Geburt und Tod der Zelle ein vielstufiger Wechsel der Stoffe, der durch die Kraft der Wärme vorangetrieben wird. Hat sich zuviel krankhaftes Zellmaterial im Leibe angehäuft, dann beschleunigt der "innere Arzt" das Zellensterben durch Steigerung der Wärme in ein Fieber, welches das Krankhafte einschmilzt. Daher wird das Fieber von altersher als einer der größten Heilfaktoren gefeiert.
Aber mit den Fieberkrankheiten sind Schmerzen und Leiden verbunden: müssen wir es erst so weit kommen lassen?
Nein ! Wir können dem Fieber vorbeugen, indem wir die Gelegenheiten ausnutzen, in denen uns die Natur eine schmerzlose Wärme-, Stoffwechsel- und Ausscheidungssteigerung bietet, z. B. die segensreiche Zeit der Sommerhitze. Wie diese der Natur ihre Früchte abringt, so beschleunigt sie den menschlichen Stoffwechsel und treibt als Produkt des Zellensterbens den Schweiß durch die Poren der Haut. Es ist ein heilsamer Schweiß, der zur Gesundheit des Menschen gehört, wie das Fruchtbringen zur Natur.
Wer das sommerliche natürliche Schwitzen versäumt, geht mit einer Last von Schlacken in den Winter und darf sich auf allerlei schmerz- und leidvolle Fieber gefasst machen. Im Sommer wollen viele Zellgruppen im Leib sterben, sie wollen sich in Schweiß umwandeln und in das All verdunsten, sie wollen über Saft, Gas und Wärme den Weg zurückgehen, wie sie ihn angetreten haben. Wer dieses kleine Zellensterben fürchtet, weil es ihm lästig und unbequem ist, darf später mit einem größeren, lästigeren, vielleicht tödlichen rechnen.
Damit ist die Gesundheits-Lösung für den Hochsommer gegeben: gelobt sei, was Schweiß macht! In erster Linie die körperliche Arbeit des Landmannes, dessen Beruf in beneidenswerter Weise zugleich Gesundheitspflege ist. Gelobt sei der Garten des Städters, weil die Arbeit darin ihm Schweiß entlockt. Gelobt sei das Wandern in freier Natur, Turnen und Sport und alle Licht-, Luft und Wasserbäder, welche die Hautporen öffnen und den Schweiß hervortreten lassen. Den Schaffenden, die an Werktagen an Büro und Maschine gebunden sind, bietet das Wochenende vielseitige Möglichkeiten zum Schwitzen. Sie werden die Wege dazu finden und begeistert gehen, wenn sie erst erkannt haben, was das Schwitzen bedeutet und wie die Natur zu jeder Jahreszeit bestimmte eigenartige Kräfte zur Vorbeugung von Krankheiten bietet.
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