Juli 1950
Gesundheitspflege im Sommer
Das große Sommer-Brüten und -Reifen in der Natur führt auch im Menschlichen Leibe zu Reifungsprozessen, die sehr vorteilhaft für die Gesundheit sein können. Die Stoffwechselschlacken welche in den Geweben "eingefroren", d.h. kristallisiert sind, werden durch die Sommerhitze gelöst, verflüssigt und als Schweiß ausgeschieden. Der Sommer ermöglicht die große und heilsame Schwitzkur, und wir sollten alles tun, um diesen Schweiß recht kräftig herauskommen zu lassen. Einige Vorsichtsmaßregeln sind dabei zu beachten: wir müssen verhüten, dass der Schweiß plötzlich nach innen schlägt, wie dies z.B. durch Wind, kaltes Wasser oder Ruhen auf feuchter Erde geschehen kann. Hieraus entstehen die sommerlichen Erkältungen, Katarrhe und Entzündungen, indem die im Fluss befindlichen Schlacken nun plötzlich auf die Organe zurückschlagen.
Leinen- oder Seidenwäsche, in welcher der Schweiß kalt wird, begünstigen solche Erkältungen. Daher muss auch für den Sommer feinwollene Unterwäsche empfohlen werden, besonders für schwächliche und alte Leute, weil sie der Schweiß gut aufsaugt und zugleich wärmt, ohne zu überwärmen. Weit gefährlicher als die Sommer-Erkältungen sind die Überhitzungen, welche unter Umständen tödliche Folgen haben können. Tritt eine innere Überhitzung ein, welche durch Schweißabgabe nicht ausgeglichen werden kann, dann kommt es zum Hitzschlag. Es handelt sich hierbei um eine innere Wärmestauung mit Blutüberfüllung des Gehirns. Die Folgen sind: Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Schlafsucht bis zur Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und Delirien. Die Körpertemperatur erreicht oft Höhen bis zu 42, ja 45 Grad, die natürlich tödlich sind. Ein Hitzschlag sendet seine Boten voraus, die sich in Mattigkeit, Übelkeit, Kopfdruck und kaltem Schweiß zu erkennen geben. Besondere Neigung zu Hitzschlag haben Alkoholiker, Herzkranke und Fettsüchtige, welche demnach in der Sommerhitze besonders vorsichtig sein müssen.
Vor Hitzschlag kann man sich schützen, indem man bei heißem Wetter dichte dunkle Kleidung und große Anstrengungen vermeidet und beim Auftreten der Vorboten sofort für Abkühlung sorgt .Während es sich beim Hitzschlag um innere Wärmestauung handelt, kommt der Sonnenstich durch unmittelbare Sonnenbestrahlung zustande, vor allem des ungeschützten Kopfes, wodurch ebenfalls Blutüberfüllung des Gehirns eintritt. Die Erscheinungen sind daher die gleichen wie bei Hitzschlag.
Vor Sonnenstich schützt man sich durch eine entsprechende Kopfbedeckung. Die ersten Maßnahmen bis zum Eintreffen des Arztes sind bei beiden Krankheiten: Lagerung im Schatten mit erhöhtem Kopf und Brust, Lockerung einengender Kleidungstücke, nasses Tuch auf den Kopf, Besprengung von Genick und Körperhaut mit kaltem Wasser, schluckweises Wassertrinken und gegebenenfalls künstliche Atmung.
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