August 1950
Aufstiegs- und Niedergangs-Brot
In den letzten Wochen haben wir einen Tanz um das tägliche Brot erlebt. Nachdem sich die fortschreitende Zivilisation den Menschen immer mehr von den göttlichen Kraftquellen abgesondert hat, bleiben als Kraftspender für Berufsleistung und Krankheitsabwehr nur noch die Früchte der Natur, aber wohl gemerkt: nur die unverfälschten Früchte, in denen außer den unentbehrlichen Mineralien noch lebendige Kräfte schwingen. Das wertvollste Nahrungsmittel dieser Art war einmal - und kann es wieder werden! - das Brot, weil im gehaltvollen und richtig gebackenen Brot sowohl alle stofflichen als auch lebendigen Nährkräfte in idealer Weise vorhanden sind, mehr als bei allen anderen Nahrungsmitteln; denn bei Fleisch- und Feinmehlspeisen fehlen die lebendigen, bei Obst und Gemüse die stofflichen Bestandteile. Deshalb ist das gute Brot auch das zentrale, unentbehrliche Nahrungsmittel, das in Notzeiten alle anderen ersetzen kann. Da das Brot die Hauptnahrung der ärmeren Bevölkerung ist, kann man mit einem guten Brot Schaffenskraft und Gesundheit eines ganzen Volkes, also die Wirtschaft schlechtweg erhalten und steigern, während ein entwertetes „Mischbrot“ oder „Konsumbrot“ die Masse des Volkes, die sich weder genügend Fleisch noch Obst und Gemüse leisten kann, entkräften und dem allmählichen Niedergang entgegenführen muss. Das Brot muss daher tatsächlich ein Objekt sozialer Politik werden, es ist ein Wirtschaftsfaktor erster Ordnung, weil nur mit leistungsfähigen, gesunden Menschen ein Wettbewerb auf den Weltmärkten möglich ist; es ist aber auch ein staatserhaltender Faktor weil ein biologisch schwaches Volk zur selbstverständlichen Beute seiner stärkeren Nachbarn wird.
In den Debatten um den Brotpreis hat man leider nicht viel von der Heiligkeit des Brotes in Bezug auf die Vitalität des Volkes gehört. Und doch ist jetzt beim Neubau unseres Staates die seltene Gelegenheit gegeben, die Brotfrage endlich einmal vom Menschen her, von seiner Gesundheit und Arbeitskraft, anzupacken und durch Subvention ausschließlich dasjenige Brot zum billigsten zu machen, welches die höchsten lebendigen und stofflichen Natur und Nährkräfte enthält, und damit dem allgemeinen Niedergang in einem wichtigen Punkte entgegenzutreten. Das beste derartige Brot ist der Pumpernickel und man darf verlangen, wo es um den schaffenden Menschen geht, dass das Beste gerade gut genug ist. Der Pumpernickel enthält nicht nur alle Heil- und Nährwerte des vollen Korns, er ist auch das einzige Brot, welches keinen Säureüberschuss hat, daher dem menschlichen Blut am besten entspricht und somit am bekömmlichsten ist. Es besteht kein Zweifel, dass unsere moderne Technik in der Lage ist‚ die Schwierigkeiten der Massenherstellung dieses Brotes zu überwinden. Es ist auch keine Frage, dass das Volk in erster Linie ein solch schmackhaftes Brot verlangen würde, wenn es das billigste ist. Hier bleibt also der Regierung eine Subventions-Tat vorbehalten, deren Erfolge sich in der Gegenwart wie an kommenden Generationen auswirken werden. „Mischbrot“ aber und Konsumbrot“ sind Täuschungen, die sich bitter rächen werden.
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