Ernährungsreform
Dr. H. Will (1926) .....Fortsetzung
Ein Getränk als Nahrung kann für den Menschen doch nicht naturgemäß sein! Wir haben unser starkes Gebiß bekommen, um es entsprechend zu betätigen. Wir sagen: „Mahlzeit“, weil der Eßvorgang ein Zermalen der Speisen sein soll. Gebrauchen wir unser Gebiß nicht seiner Bestimmung gemäß, faulen die Zähne und fallen aus. Die Kaubewegungen beim Zerkleinern der Speisen, setzen die Speicheldrüsen in Tätigkeit, welche mit ihrem Saft die Speisen durchtränken und schließlich völlig verflüssigen. Der Speichel ist ein unentbehrliches Verdauungsferment, durch ihn werden die Speisen für ihre Weiterverdauung im Magen vorbereitet. Er ist außerdem alkalisch und bildet somit die erste Möglichkeit des Körpers, sich gegen zu säurerreiche Nahrung zu wehren und dieselbe zu neutralisieren.
Die Absonderung dieses so wichtigen Speichels ist abhängig vom Kauen, das Kauen wiederum findet in richtiger Weise nur statt bei Trockenkost. Man muß daher, um naturgemäß zu essen und richtig verdauen zu können, in der Hauptsache trockene Speisen essen. Etwaiger Durst sollte nur durch frische Früchte gestillt werden. Jedenfalls darf man während des Essens nicht trinken, weil dadurch die Speisen hinuntergespült werden, ehe sie gründlich durchspeichelt sind. Ist der Durst durch Früchte nicht zu stillen, dann darf höchstens eine halbe Stunde vor oder nach dem Essen getrunken werden.
Milch ist also keinesfalls ein Nahrungsmittel des Menschen, eben weil sie nicht richtig verdaut werden kann und durch ihren Flüssigkeitsgehalt Herz und Nieren belastet. Die scheinbare Sättigung ist nur die Überfüllung des Magens. Was sie an wirklichen Nährstoffen, Mineralsalzen und Vitaminen enthält, haben wir in den rohen Gemüsen viel reichlicher und in naturgemäßer, kau- und verdauungsmöglicher Form.
Als Säuglingsnahrung kommt Kuhmilch ebenfalls nicht in Frage. Sie hat eine andere chemische Zusammensetzung, als die Muttermilch, z.B. doppelt soviel Eiweiß, etwa 4 mal soviel Phosphor und 4 mal soviel Nährsalze überhaupt. Dies kommt daher, weil sie für ein schneller wachsendes Individuum, das Kalb, bestimmt ist. Sie wird im allgemeinen auch nur verdünnt und mit Mehlzusätzen verordnet, weil sie beim Säugling sonst eine Krankheit, den Milchnährschaden, hervorruft. Jahrzehntelang hat die Wissenschaft die künstliche Ernährung der Säuglinge mit Milchgemischen geduldet und befürwortet, bis das Säuglings- und Kindersterben und -erkranken einen geradezu mörderischen Umfang angenommen hatte. Heute weiß man, daß das Selbststillen durch keinerlei künstliche Milchgemische zu ersetzen ist. Wer aber trocknet die Tränen der Mütter? Wer hilft den an Gesundheit und Erwerbsunfähigkeit durch die falsche Ernährungslehre der Wissenschaft Geschädigten? Auch als Zukost für wachsende Kinder und Rekonvaleszenten ist die Milch durch entsprechende Frischkost völlig entbehrlich, wenn nicht gar schädlich. Inwiefern sie doch in Frage kommt, werden wir später sehen. Die Milch ist also kein naturgemäßes Nahrungsmittel, erst recht aber kein Getränk für den Durst. Zweitens: Ist die Milch ein gesundheitsgemäßes Nahrungsmittel? ...Fortsetzung folgt...
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