Aus: „Ernährungsreform“
Dr. H. Will (1926) ... Fortsetzung
Hat man sich dann einmal zu dieser Ernährung durchgerungen, welcher Segen für das Haus! Die Hausfrau ist vom Küchenherd erlöst, sie kann sich mehr der eigenen Erbauung und geistigen Förderung, dem Wohle des Mannes und der Kinder widmen. Dienstpersonal wird entbehrlich. Die Kosten der Lebenshaltung werden wesentlich geringer, man braucht nicht mehr über seine Kräfte zu arbeiten und hat Mittel für seine Liebhabereien übrig. Die Reinigung der Säfte und des Blutes bringt das Verlangen nach den Zivilisationsgiften (Alkohol, Tabak, Kaffee, Tee Kakao, Konditorwaren usw.) zum Schweigen und erspart die Kosten dafür. Der Geschlechtstrieb wird auf sein natürliches Maß zurückgeführt. Der Mensch findet Freude und Genuß an edleren Dingen.
Die unschuldigen Tiere brauchen nicht mehr für ihn ihr Leben lassen. Er braucht nicht mehr zu essen, als die Natur ihm zugewiesen hat; es brauchen also keine anderen Menschen zu hungern, weil er zu viel ißt. Das Leben könnte wieder zum Paradies werden. Wenn also der Übergang zur Rohkost für den, in dem es liegt und der Glaubenskraft hat, weder schwer noch gefährlich ist, so stellen sich häufig Schwierigkeiten von ganz anderer Seite aus ein. Wer Familie hat, findet meist den ersten Widerstand beim Ehegatten. Die Meinungsverschiedenheit führt oft zu ernsten Zerwürfnissen. Was soll man lassen, die Idee oder die Familie? Hier zu raten ist fast unmöglich. Es gibt da nur ein Ding neben dem starken Glauben an die Idee: Das ist die Liebe! Sie wird die richtige Brücke bauen. Dann das Personal. Soll man für dasselbe extra kochen, die Kochdüfte im Haus haben und selbst Rohkost essen? Darf man sich zum Gespött des Personals machen? Es gibt kaum einen anderen Weg, als den des Verzichtes auf Personal. Die geistige Richtung, die zur Rohkost führt, hat sowieso keine rechte Freude an der Haltung von Menschen, wie etwa unsere Dienstmädchen. Man wird seine Wohnräume gerne auf das notwendigste einschränken, und ist trotzdem Hilfe notwendig, nimmt man einen gleichgesinnten „Hausgenossen“ auf oder ein Tagmädchen ohne Kost.
Nun aber das Schlimmste: die liebe Verwandtschaft, Freundschaft, Nachbarschaft! Soll es kein Kränzchen mehr geben, keinen Dämmerschoppen? Keine «Gesellschaft» mit gutem Essen? Keinen Klub, keine Ausflüge? Soll man all seine bisherigen Freunde wegwerfen, eine scharfe Grenze ziehen zwischen dem alten und neuen Leben?
Wieviel Fragen, soviel Antworten. Beginnt die Praxis! Folgt der geistigen Leitung in euch! Seid stark in euch selbst und eurer Überzeugung treu! Dann wird sich allemal der rechte Weg zeigen…. (Fortsetzung folgt)
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