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Lust auf Deutsch

Lust auf Deutsch

@diesprachedergoetter

Die Lust an unserer schönen deutschen Sprache soll hier erweckt werden. Wir gehen gemeinsam auf Spurensuche nach der Ursprache, dem Grund für die Sprachverwirrung und vielem mehr. ❤️
✍️ amanda.lustaufdeutsch@gmail.com ✍️
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Post #2756 445
Worte der Klarheit bei
𝕷𝖚ſ𝖙 𝖆𝖚𝖋 𝕯𝖊𝖚𝖙ſ𝖈𝖍 ...


Gedanken

oder so ...


Es ist so gar nicht seltsam,
dass wir anfänglich einsam,
nun also gemeinsam
wirksam unsere Wege gehen.
Das lässt uns genügsam sein.
Und da wir stets achtsam sind,
müssen wir niemandem
gehorsam und folgsam sein.
Duldsam sind wir hier inkarniert
und so leben wir liebsam ohne
uns mühsam zur Last zu fallen ...


Worte :

Anima –
lateinisch Seele

Anima tion
Animal
animieren


❓??? ❓

alle Worte
mit der Endung
– ion
weisen auf uns als Seele,
– tion
auf deutsche Seele hin

I ich
O Odem/ Atem
N mein/ mir innewohnend / Minne


Unterlagen / Dokumente/
Ausweise/ Urkunden/
Papiere/ Legitimationen/
Verträge/ Lizenze oä ...

Unter lagen/ legen = Niederlage ...


Annegret 🌹


#lustaufdeutsch #sprachschätze #annegret

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Post #2754 423
Lautes Denken von
𝕷𝖚ſ𝖙 𝖆𝖚𝖋 𝕯𝖊𝖚𝖙ſ𝖈𝖍

Die Sonette an Orpheus,
Zweiter Teil, XV und XVI 👈

Diese beiden Sonette haben mich,
nach dem Durchfühlen
des 1. Teils und des 2. Teils bis hierher,
an einen Punkt gebracht,
bei dem ich innehalten mußte.

Ganze zwei Wochen habe ich darüber
nachgesonnen und kam nicht umhin,
vielleicht nicht nur ein dahinter
liegendes Muster zu erkennen.

Rilke hat mich dabei an Gedanken
gebracht, die einiges auf den Kopf stellen.
Rilke selbst bezeichnete seine
Schöpfung – 

... als das Diktat
dieses inneren Andrangs ... 👈

****

XV

Der Brunnen –
er erscheint uns als der Gebende –
jedoch ist das Wasser, welches er
spendet, nicht von ihm.
Er ist gleichzeitig Empfangender,
er beschafft es nicht, es kommt von
weither und sie tragen ihm
dein Sagen zu.

Doch der Brunnen ist zugleich
Mund und Ohr –
das Wasser wird durch ihn
hörbar.
Er spricht und hört zugleich,
hörbar gemacht durch ihn –
den Brunnen:
Eines, Reines, spricht, –
Ein Ohr der Erde.
Nur mit sich allein
redet sie also.

Schiebt ein Krug sich ein,
so scheint es ihr,
daß du sie unterbrichst.

Der Krug, er entnimmt,
doch er ist nicht die Quelle.
Der Krug gibt Form –
ein Gedanke,
eine Theorie,

und
die Astrologie?

Ich stelle sie auf den Kopf –
sind Autor, Schrift und Leser
ein und derselbe?

Horoskope sind eine Anleitung
zum Unglücklichsein.
Annegret 🌹

Was, wenn die Sterne und die
Planeten die Schrift sind,
die Bücher, die wir bereits
schrieben?
Wir haben die Autorenschaft!

Was, wenn Zukunft nichts ist,
was man deuten oder vorhersagen kann?
Vergangenheit existiert nicht mehr.
Was bleibt?
Das Jetzt – das Leben will jetzt
gelebt werden!

****

XVI

Schärfe, das Denken trennt –
Körper – Seele
Leben – Tod
Ich – Nicht-Ich
Ursache – Wirkung
Innen / Außen
und dann:

Immer wieder von uns aufgerissen,
ist der Gott die Stelle, welche heilt.
Und mehr noch:
er ist heiter und verteilt –

das Geheilte, das Ganze hebt die
Unterschiedlichkeiten nicht auf,
sie sind Bestandteile, verbunden
und doch eigenständig –

Es muß ein Nicht-Ich sein,
damit Ich sich als Ich setzen könne.
Novalis

Und dann dies:
Selbst die reine, die geweihte Spende
nimmt er anders nicht in seine Welt,
als indem er sich dem freien Ende
unbewegt entgegenstellt.

Gott, die Quelle selbst?
Wir, die Seelen?
Wir brauchen nichts tun
um zu sein – wir sind.

Der Tote trinkt –
aus der Quelle, die wir hören,
Was wir wissen wollen –
nimmt er in sich auf.
Er ist ein Teil von ihr.

Und das Lamm mit der Schelle?
Es bittet um Klang, es trennt nicht –
Instinkt –
Hören, Spüren, Fühlen ...

****

Das Muster:

Gesang – Orpheus
Wandlung – Wolle sie – XII
Klang – Klingendes Glas – XIII
Schlaf – inniges Schlafen – XIV
Gehör – Ohr der Erde – XV
Trank – der Tote trinkt – XVI

und

Alles ist Eins.
Musik der Erde …
Resonanz.

****

Etwas ungewöhnlichere
Gedanken heute ...

In Treuherzigkeit
AMAnda 💞

****

Unter:
#sonetteanorpheus 👈
sind alle Teile zu finden,
die bisher hier veröffentlicht
und durchgefühlt wurden ...


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Post #2753 414
Die Sonette an Orpheus,
Zweiter Teil,
XV
und XVI


XV
 
O Brunnen-Mund, du gebender, du Mund,
der unerschöpflich Eines, Reines, spricht, –
du, vor des Wassers fließendem Gesicht,
marmorne Maske. Und im Hintergrund
 
der Aquädukte Herkunft. Weither an
Gräbern vorbei, vom Hang des Apennins
tragen sie dir dein Sagen zu, das dann
am schwarzen Altern deines Kinns
 
vorüberfällt in das Gefäß davor.
Dies ist das schlafend hingelegte Ohr,
das Marmorohr, in das du immer sprichst.
 
Ein Ohr der Erde. Nur mit sich allein
redet sie also. Schiebt ein Krug sich ein,
so scheint es ihr, daß du sie unterbrichst.
 
****

XVI
 
Immer wieder von uns aufgerissen,
ist der Gott die Stelle, welche heilt.
Wir sind Scharfe, denn wir wollen wissen,
aber er ist heiter und verteilt.
 
Selbst die reine, die geweihte Spende
nimmt er anders nicht in seine Welt,
als indem er sich dem freien Ende
unbewegt entgegenstellt.
 
Nur der Tote trinkt
aus der hier von uns gehörten Quelle,
wenn der Gott ihm schweigend winkt,
dem Toten.
 
Uns wird nur das Lärmen angeboten.
Und das Lamm erbittet seine Schelle
aus dem stilleren Instinkt.


Rainer Maria Rilke
1875 – 1926


****

Rilkegefühlt ...
... und gedacht
👈


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die bisher hier veröffentlicht
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Morgenwind


Du lieblich Morgenläuten,
wenn Halm an Hälmchen schlägt!
Wenn sich von Schwingeglocken
die klingende Au bewegt!

Ich horche in all die Gräser,
in all die Glocken hinein –
Komm, wildlebend’ger Morgenwind,
kehr ein, kehr ein, kehr ein!

Es ist ein zartes Zupfen,
ist nur ein Rühren von Saiten:
Fingerchen sind ja die Winde,
die zitternd darüber gleiten!

Dann kommt ein stärker Sausen
aus überbrauster Au:
Es springt und singt in Tropfen
der windgeschüttelte Tau!

Und was die zarte Harfe schwingt,
Den Windgesang, den Halmenklang,
Und was in starken Tönen singt
Am ganzen lauten Wiesenhang:

Ich pflücke, bis ich von Fetzlein
und Fetzen
Mir zum Behagen und euch zum Ergötzen
Klänge gefangen in Fiedel und Sang!

So weiß ich auf allen Wiesen der Melodien viel:
Wir warten auf den Morgenwind
und werden Glockenspiel!

Friedrich Lienhard
1865 – 1929



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Post #2749 540
Wie mag er aussehen?


Wer hat zum
Steuerbogenformular
den Text erfunden?
Ob der in jenen Stunden,
da er dies Wunderwirr gebar,
wohl ganz — oder total — war?

Du liest den Text.
Du sinnst. Du spinnst.
Du grinst – „Welch Rinds“ –
Und du beginnst
wieder und wieder. Eisigkalt
kommt die Vision dir „Heilanstalt“.

Für ihn? Für dich? –
Dein Witz erblaßt.
Der Mann, der jenen Text verfaßt,
was mag er dünkeln oder wähnen?
Ahnt er denn nichts von
Zeitverlust und Tränen?

Wir kommen nicht auf seine Spur.
Und er muß wohl so sein und bleiben.
Auf seinen Grabstein sollte man nur
den Text vom Steuerbogen schreiben.


Joachim Ringelnatz
1883 - 1934

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Post #2747 837
✨
Magische Philosophie



Magische Lebenslehre



"... denn darin besteht gerade
das Leben, daß es nicht
begriffen werden kann"


Um das Ich zu bestimmen,
müssen wir es auf etwas beziehn.

Beziehn geschieht durch
Unterschiede —
beides durch These einer
absoluten Sphäre der Existenz.

Dies ist das Nursein oder Chaos.

Sollte es noch eine höhere Sphäre
geben, so wäre es die
zwischen Sein und Nichtsein,
das Schweben zwischen beiden —
ein Unaussprechliches
;
und hier haben wir
den Begriff von Leben.

Leben kann nichts anders sein.

Der Mensch stirbt, der Stoff bleibt,
das Mittelglied,
wenn ich so sagen darf,
zwischen Stoff und Vernichtung
ist weg,
der Stoff wird bestimmungslos,
jedes eignet sich zu, was es kann.

Hier bleibt die Philosophie stehn
und muß stehn bleiben;

denn darin besteht
gerade das Leben,
daß es nicht
begriffen werden kann.


Nur aufs Sein kann alle
Philosophie gehn.


Der Mensch fühlt die Grenze,
die alles für ihn,
ihn selbst umschließt,


die erste Handlung;
er muß sie glauben,
so gewiß er
alles andre weiß.

Folglich sind wir hier
noch nicht transzendent,
sondern
ein Ich und für das Ich.


Um sich selbst zu begreifen,
muß das Ich ein andres
ihm gleiches Wesen
sich vorstellen,
gleichsam anatomieren.


Dieses andre,
ihm gleiche Wesen
ist nichts andres
als das Ich selbst.


Die Handlung dieser Alienation
und respektiven Produktion
wird es gleichfalls
nur an diesem
Gedankenpräparat gewahr,
es findet,
daß es bei ihm selbst
ebenso sein muß,
daß die Handlung
auf keine andre Art
bei ihm geschieht,
die dieser Reflexion
vorhergeht...

Natürlicher Gang der Reflexion
zum Resultat und vom Resultat
zur Reflexion, als dem Resultate
des Resultats.

Leben ist ein aus
Synthese, These und Antithese
Zusammengesetztes
und doch
keins von allen dreien.


Den Gehalt
der These und
die Form der ersten
Synthese und Antithese
müssen alle folgenden
Thesen, Synthesen
und Antithesen haben.


Folglich
muß Sein allen Thesen,
Trennen und Beziehn allen
Antithesen und Synthesen sein:
ihr Charakter.

Ist alle Philosophie nicht bloß
zum Gebrauch oder Behuf
der Reflexion möglich?


Deshalb muß sie
dogmatisch sein und
transzendent scheinen.

Was verstehen wir unter Ich?

Hat Fichte nicht zu willkürlich
alles ins Ich hineingelegt?
Mit welcher Befugnis?


Kann ein Ich sich als Ich setzen,
ohne ein anderes Ich oder Nicht-Ich?

(Wie sind Ich und
Nicht-Ich gegensetzbar?)


Das Ich hat eine hieroglyphische Kraft.

Es muß ein Nicht-Ich sein,
damit Ich sich als
Ich setzen könne.
(These, Antithese, Synthese.)


Die Handlung,
daß Ich sich als Ich setzt,

muß mit der Antithese
eines unabhängigen Nicht-Ich
und
der Beziehung auf eine
sie umschließende Sphäre
verknüpft sein:

diese Sphäre
kann man Gott
und Ich nennen.



Novalis
1772 - 1801


Aus:
Novalis
Fragmente.
Erste vollständige, geordnete Ausgabe

herausgegeben von Ernst Kamnitzer
Wolfgang Jess Verlag, Dresden, 1929
S. 255 – 256

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Post #2745 659
Andre Zeiten, andre Drachen


Immer nicht an Mond und Sterne
mag ich meine Blicke hängen –:
Ach man kann mit Mond und Sternen,
Wolken, Felsen, Wäldern, Bächen
allzuleichtlich kokettieren,
hat man solch ein schelmisch Weibchen
stets um sich wie Phanta Sia.

Darum senk ich heut bescheiden
meine Augen in die Tiefe.
Hier und da ein Hüttenlichtlein;
auch ein Feuer, dran sich Hirten
nächtliche Kartoffeln braten –
wenig sonst im dunklen Grunde.
Doch! da drunten seh ich eine
goldgeschuppte Schlange kriechen . . .

Hochromantisches Erspähnis!
Kommst du wieder, trautes Gestern,
da die Drachen mit den Kühen
friedlich auf den Almen grasten,
wenn sie nicht grad Flammen speien
oder Ritter fressen mußten –
da der Lindwurm in den Engpaß
seinen Boa-Hals hinabhing
und mit grünem Augenaufschlag
Dame, Knapp und Maultier schmauste –
kommst du wieder, trautes Gestern?

Eitle Frage! Dieses Schuppen-
Ungetüm da drunten ist ein
ganz modernes Fabelwesen,
unersättlich zwar, wie jene
alten Schlangen, doch auch wieder
jenem braven Walfisch ähnlich,
der dem Jonas nur auf Tage
seinen Bauch zur Herberg anbot.

Feuerwurm, ich grüße froh dich
von den Stufen meines Schlosses!
Denn ob mancher dich auch schmähe,
als den Störer stiller Lande,
und die gelben Humpeldrachen,
die noch bliesen, noch nicht pfiffen,
wiederwünschte, – ich bekenne,
daß ich stolz bin, dich zu schauen.
Höher schlägt mir oft das Herze,
seh ich dich auf schmalen Pfaden
deine Wucht in leichter Grazie
mit dem Flug der Vögel messen
und mit Triumphatorpose
hallend durch die Nächte tragen.

Sinnbild bist du mir und Gleichnis
Geistessiegs ob Stoffesträgheit!
Gleichnis bist du neuer Zeit mir,
die, jahrtausendalter Kräfte
Erbin, Sammlerin, sie spielend
zwingt und formt, beherrscht und leitet!

Andre Zeiten, andre Drachen,
andre Drachen, andre Märchen,
andre Märchen, andre Mütter,
andre Mütter, andre Jugend,
andre Jugend, andre Männer –:
Stark und stolz, gesund und fröhlich,
leichten, kampfgeübten Geistes,
überwinder aller Schwerheit,
Sieger, Tänzer, Spötter, Götter!


Christian Morgenstern
1871 – 1914


Bild:
Glenfinnan Viaduct
Schottland


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🗝
Die Ursprache

§. 3.
Die griechische Sprache.

[S. 12]
Noch unverkennbarer führt
die griechische Sprache,
über deren Aussprache
man noch gar nicht einig ist,
überall das Gepräge
der jüngern Erfindung.

Es ist sehr zu bezweifeln,
daß sie je Volkssprache gewesen
,
und ich stimme mit der innigsten
Ueberzeugung dem Engländer
Monboddo bei, der
die Erfinder derselben
für eine Gesellschaft
von Weisen, und
gründlicher Sprachforscher hält.

⚡️
Auf welchem Wege
hätte sie sich auch zur
gemeinsamen Sprache
der alten Erde
[S. 13]
ausbreiten oder auch
nur die Urstoffe
dazu hergeben können,
da die sogenannten Griechen

in Vergleichung mit den
Scythen, Persern, Thraciern,
Römern, Galliern, u. s. w.
einen höchst unbedeutenden
Volksstamm ausmachten?

[…]

Ursprünglich zum Theil
durch Fremde gegründet,

wie z. B.
zu Athen
durch Cecrops,
einen Aegypter, der zuerst die
Beisammenwohnung in Hütten,
und den Ehestand einführte,
durch den Aegypter
Danaus zu Argos,
wo er die Argiver Brunnen graben
lehrte, und
die Schiffsbaukunst verbesserte,
zu Theben
durch den Phönicier Kadmus
,
den Erfinder der Schriftkunst, u. s. w.

Nach der eigenen Angabe
des Plinius
in den ältern Zeiten
von 150 verschiedenen
Volksstämmen bewohnt,

und folglich ⚡️
ohne uranfänglichen, oder
wenigstens ohne bleibenden
Vereinigungspunkt zur Bildung

[S. 14]
einer gemeinsamen Volkssprache,
da sogar selbst der so sehr
gerühmte Sitz der Wissenschaften,
Athen,
aus drei verschiedenen Ständen,
den eigentlichen Bürgern,
Fremdlingen,
und Sklaven bestand;

[…]

[S. 15]
Von der Beschränktheit
der griechischen Sprache mit
Rücksicht auf Länder-Umfang,
angenommen,
daß sie Volkssprache gewesen,
zeugt auch ihre beschränkte,
allen übrigen Völkern
fremde Zeitrechnung
 […]
[S. 16]
Aber wer kann sich überwinden,
zu glauben, daß
,
wenn auch die Geschichte
im Ganzen angenommen wird,
selbst die griechischen Freistaaten
unter ihren abwechselnden,
gewöhnlich feindseligen,
Verhältnissen, wie viel weniger
also die Reiche Philipps
und Alexanders sich dieser Zeitrechnung
bedient haben?

⚡️
dieselbe scheint vielmehr
überhaupt eine verunglückte,
sich nicht überall gleichgebliebene,
jüngere Erfindung zu seyn.



Peter Franz Joseph Müller
Die Ursprache, 1815
§. 3, S. 12–16

§. 1., S. 2–5 👈
§. 2, S. 6–12 👈

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Worte der Klarheit bei
𝕷𝖚ſ𝖙 𝖆𝖚𝖋 𝕯𝖊𝖚𝖙ſ𝖈𝖍 ...


Kinder
sind was Leben anbelangt
bis zu einem bestimmten Alter
kompetenter als Erwachsene.

Nun waren wir alle mal Kind,
und somit ebenfalls
lebenskompetenter, wohl auch
lebensfroher, lebenstüchtiger als
wir es heute als Erwachsene sind.

Das ist was bedeutet:
werdet wieder wie die Kinder,
lebensfroh und kompetent.


Es gibt nichts zu Fürchten,
jeder Verlust von Kontrolle,
die stets unnatürlich ist,
lässt die natürliche Kompetenz wachsen.

Fehler gibt es nicht,
nichts zu bereuen,
nichts zu verzeihen.


Alles ist aus uns,
und so haben wir entschieden :
Alles muss genauso sein
und nicht anders.


👇
Der Welt abhanden gekommen sein
bedeutet auch –
zurück zu sich selbst –
nach Hause –

RE-Ich 👈
also zurück zum Kind zu gehen.

Wichtig ❗️ –
ich spreche hier nicht vom
sogenannten inneren Kind,
wie es die New Age Esoteriker tun.
Dies ist eine Strategie der Ablenkung und Suggestion und nicht etwa hilfreich.


Annegret 🌹


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𝕷𝖚ſ𝖙 𝖆𝖚𝖋 𝕯𝖊𝖚𝖙ſ𝖈𝖍

Aus einem Brief von
Rainer Maria Rilke
an
Gräfin Margot Sizzo-Noris-Crouy


über die Entstehung von:

Die Sonette an Orpheus


VAL-MONT PAR GLION
SUR TERRITET (VAUD),

SUISSE,
AM 9. MAI 1926 (SONNTAG)


Meine liebe Gnädigste Gräfin,
[…]
Auch davon,
wenn ich nicht irre,
erzählte ich Ihnen schon:

daß diese merkwürdigen
Sonette an Orpheus
keine beabsichtigte oder
erwartete Arbeit wären;
sie stellten sich,
oft viele an einem Tag

(der erste Teil des Buches ist
in etwa drei Tagen entstanden),
völlig unerwartet ein,
im Februar vorigen Jahres,
da ich vielmehr dabei war,
mich für die Fortsetzung jener
anderen Gedichte –
der großen Duineser Elegien –
zu sammeln. 

Ich konnte nichts tun,
als das Diktat
dieses inneren Andrangs
rein und gehorsam hinzunehmen;
auch begriff ich erst nach und nach
den Bezug dieser Strophen
 
zu der Gestalt jener achtzehn- oder
neunzehnjährig verstorbenen
Wera Knoop,
die ich wenig gekannt
und nur ein paar Mal im Leben,
da sie noch ein Kind war,
gesehen habe,
freilich mit eigentümlicher
Aufmerksamkeit und Ergriffenheit.
[…]

[…] vom künstlerisch Vollziehenden
bis zum groß und leidenschaftlich
Handelnden, bis zum Helden:

was täte man ohne
das herrisch unausweichliche
innere Diktat, ohne dieses immer
viel zu Große: Du mußt!


[…]
Ihre freundschaftliche Güte
steigert mein Vorausfühlen
bis fast zum Kennen!

Dankbar, in alter Ergebenheit
Ihr
Rilke


****

Anmerkung:

Leider konnte ich kein Bild
der Gräfin finden und empfand
deshalb untenstehende Aussage,
um so verwirrender –
Gestalt – niemals gesehen?

[…]
Die jugendliche Gestalt der Gräfin Sizzo -
sie entstammt einem Zweig des
zum Uradel der Picardie gehörigen
Geschlechtes der Crouy -
schien Rilke von Anbeginn
wie aus langen Jahren der Freundschaft
tief vertraut, obschon er ihr nie zuvor
begegnet war und sie niemals sehen
sollte.
[…]
Auszug vom Buchrücken:
Die Briefe an Gräfin Sizzo
1921–1926
Herausgegeben von Ingeborg Schnack


In Treuherzigkeit,
AMAnda 💞

****

Unter:
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Worte der Klarheit bei
𝕷𝖚ſ𝖙 𝖆𝖚𝖋 𝕯𝖊𝖚𝖙ſ𝖈𝖍 ...


Nur ungewöhnliche Kraft
darf nach
Ungewöhnlichem streben.


Theodor Körner
1791 – 1813


****

In der heutigen Zeit fallen
außergewöhnliche Menschen,
oder auch ungewöhnliche Kräfte
natürlich auf und damit ins Gewicht.


Sind sie es doch,
die es nicht nur in ihren Gedanken
wagen, eine wahrhaftige Änderung
der Umstände herbeizuführen.

Sie sind es, die
ohne große Worte,
ohne Umschweife,
vor allem aber
ohne jeglichen Eigennutz
und damit
ohne Kleingeistigkeit
nach dem Ruder des Schiffes greifen
und dieses in das rechte
Fahrwasser zurücksteuern.

Ihnen gebührt gewiß Achtung
und Jean Paul
sagte nicht ohne Grund:

Ein Mensch, den die Nähe
eines großen Menschen
nicht in Flammen und
außer sich bringt,
ist nichts wert.


Doch ist nicht alles
Außergewöhnliche
und Ungewöhnliche
ein untrügliches Zeichen dafür,
daß es,
um so schwerer die Zeiten,
um so drückender alle Last,
diese braucht,
wie die Luft zum Atmen,
braucht wie das liebe Brot,
weil es das Gewöhnliche
nicht mehr zustande bringt,
daß,
wozu es ursprünglich keiner
außergewöhnlichen Menschen mit
ungewöhnlichen Kräften bedurfte?


Ich denke es waren zu allen Zeiten
die außergewöhnlichen Menschen,
denen wir es zu verdanken haben,
daß die heutigen
Außergewöhnlichen über
ungewöhnliche Kräfte verfügen,

eigens
um die ganz
gewöhnliche,
ursprüngliche,
natürliche Ordnung
wieder herzustellen.



Annegret 🌹


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