Der Denker sagt das Sein,
der Dichter das Heilige!
Bilder, Gedichte und Sprüche in diesem Kanal verstehen sich als Nachahmung ohne Beurteilung.
Sie sind mit nötigem Ernst oder Spott zu genießen!
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Post #4595
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Klage eines emigrierten Journalisten
In Deutschland ist es leider nicht mehr wie es früher war,
als noch die Sitten und Gebräuche unsrer Leute herrschten.
Ich interviewte heute Filmstars, morgen fremde Ferschten;
dafür bezog ich jährlich so zigtausend Emm in bar.
Man hatte viel Respekt vor mir, wenn ich vom Leder zog,
und Bank und Börse waren mir bis auf den Tod verschrieben,
wodurch mir auch Bestechungsgelder monatlich verblieben,
obwohl ich oft das Blaue glatt vom Himmel `runter log.
Ich schrieb und schmierte fest drauflos und war durchaus
verfasste Leitartikel, eine ungeheure Serie, --- nicht faul,
polemisch meist, versteht sich – das lag so in der Materie,
und, Gott sei Dank, verbrannte ich mir nie dabei das Maul.
Und dann auf einmal war die altgewohnte Chose er,
man munkelt von Säuberung der ganzen deutschen Presse.
Da stand ich nun mit dem Talent und meiner großen Fresse
Und machte voller Wehmut meinen letzten Tintenklecks.
Nun repetiere ich hier im Exil den alten Schmus,
den man mir damals noch in Deutschland teuer honorierte,
bis dann die Katastrophe eines guten Tags passierte…
Ich nahm die Grenze im Galopp und ohne Abschiedsgruß.
Und so erhielt ich draußen für mein Handwerk die Lizenz,
was ich ererbt von meinen Vätern, kann ich niemals lassen:
Ich muß doch alles Deutsche aus Prinzip und Bosheit hassen,
und dieser Haß gibt mir wie damals meine Existenz…
-Bernd Lembeck, 31.08.1895 in Düsseldorf – unbekannt-
@DeutscheDD
In Deutschland ist es leider nicht mehr wie es früher war,
als noch die Sitten und Gebräuche unsrer Leute herrschten.
Ich interviewte heute Filmstars, morgen fremde Ferschten;
dafür bezog ich jährlich so zigtausend Emm in bar.
Man hatte viel Respekt vor mir, wenn ich vom Leder zog,
und Bank und Börse waren mir bis auf den Tod verschrieben,
wodurch mir auch Bestechungsgelder monatlich verblieben,
obwohl ich oft das Blaue glatt vom Himmel `runter log.
Ich schrieb und schmierte fest drauflos und war durchaus
verfasste Leitartikel, eine ungeheure Serie, --- nicht faul,
polemisch meist, versteht sich – das lag so in der Materie,
und, Gott sei Dank, verbrannte ich mir nie dabei das Maul.
Und dann auf einmal war die altgewohnte Chose er,
man munkelt von Säuberung der ganzen deutschen Presse.
Da stand ich nun mit dem Talent und meiner großen Fresse
Und machte voller Wehmut meinen letzten Tintenklecks.
Nun repetiere ich hier im Exil den alten Schmus,
den man mir damals noch in Deutschland teuer honorierte,
bis dann die Katastrophe eines guten Tags passierte…
Ich nahm die Grenze im Galopp und ohne Abschiedsgruß.
Und so erhielt ich draußen für mein Handwerk die Lizenz,
was ich ererbt von meinen Vätern, kann ich niemals lassen:
Ich muß doch alles Deutsche aus Prinzip und Bosheit hassen,
und dieser Haß gibt mir wie damals meine Existenz…
-Bernd Lembeck, 31.08.1895 in Düsseldorf – unbekannt-
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