Leseempfehlung 👉 Sibir.Realii: Wer verliert und wer profitiert
Die Menschen in Russland leiden unter dem Putin-Regime und müssen durch Krieg und Sanktionen große Einschnitte hinnehmen?
Der Historiker Sergej Tschernyschow hält das für ein Zerrbild aus dem liberalen, Moskau-zentrischen Diskurs.
Der Rubelkurs fällt, Reisen ins (westliche) Ausland werden immer schwieriger, Bürgerrechte und Freiheiten werden weiter eingeschränkt, Familien durch Emigration getrennt – für Tschernyschow sind das Einschränkungen, die vor allem eine urbane Minderheit betreffen, wie er in seinem Beitrag für Sibir.Realii argumentiert.
Jenseits der Metropolen hätten die Leute im Großen und Ganzen eigentlich nichts verloren, denn „sie haben auch nichts besonderes zu verlieren“: Auslandsreisen waren für die meisten eh noch nie ein Thema, von inhaftierten Theaterregisseuren haben viele vermutlich eh nie gehört und auch steigende Preise sind kein Grund zur Sorge: „Auf Supermärkte haben diese Menschen eh nie vertraut. Sie haben den Keller voll mit Kartoffeln und eingelegtem Gemüse für den ganzen Winter. Irgendwie kommen wir da schon durch.“
Der Krieg bietet vielen in der Provinz sogar ungeahnte Einkommensmöglichkeiten als Soldat: „Geldzuwendungen in einem Ausmaß, das sie in ihren normalen Jobs auch in vielen Jahren nicht erreichen würden, zusammen mit dem Gefühl, an etwas Großem [dem Kampf gegen den „Faschismus“] teilzuhaben – das ist eine explosive Mischung“, resümiert der Autor.
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