In Minsk wurde gestern die Journalistin Katerina Borissewitsch zu sechs Monaten Haft verurteilt, der Arzt Artjom Sorokin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung, über die nach einem Jahr nochmal neu entschieden wird. Das Gericht, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagte, wirft den beiden „Verstoß gegen das Arztgeheimnis“ im Fall Roman Bondarenko vor.
Der Demonstrant Bondarenko erlag am 12. November 2020 in einem Minsker Krankenhaus seinen Verletzungen, nachdem er am Abend zuvor von maskierten Männern attackiert wurde. Offizielle Stellen hatten damals behauptet, dass Bondarenko betrunken gewesen sei.
In diversen Telegram-Kanälen kursierten allerdings Patientenunterlagen, die dieser Behauptung widersprechen und null Promille im Blut von Bondarenko feststellen. Die tut.by-Journalistin Borissewitsch tat, was nach Darstellung der Redaktion ihre journalistische Pflicht war, und prüfte diese Information. Das Ergebnis ihrer Recherche wurde kurz darauf in einem Artikel veröffentlicht, der ihr nun zur Last gelegt wird.
Der Fall bedeutet einen weiteren herben Schlag gegen unabhängige Berichterstattung im Land. Mehr zur Situation der Medien in Belarus in unserem Bystro: https://www.dekoder.org/de/article/bystro-medienlandschaft-belarus
Post #429
227