„Ich bedaure und bereue nichts“
Mit diesen Worten beendete Oleg Orlow im Februar sein Schlusswort vor Gericht. Der 71 Jahre alte Mitbegründer von Memorial wurde in Russland wegen „Diskreditierung der Armee“ zu zweieinhalb Jahren im Straflager verurteilt.
Den ganzen Prozess über hatte er aus Protest geschwiegen. Aber in einem Staat, in dem die freie Meinungsäußerung immer weiter eingeschränkt wird, ist das Schlusswort vor Gericht einer der seltenen Momente, in dem Bürger öffentlich die Wahrheit aussprechen können. Also nutze Orlow sie.
Solche Momente sind in den vergangenen Jahren immer zahlreicher geworden: Die Menschenrechtsorganisation OWD-Info hat seit 2012 mehr als 4200 Fälle gezählt, in denen Menschen aus politischen Gründen verurteilt wurden, 990 davon allein seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022. Gegenwärtig laufen mehr als 2950 Verfahren, die von Beobachtern wie OWD-Info als politisch motiviert eingestuft werden.
dekoder sammelt ausgewählte Schlussworte in einem Dossier, das ständig erweitert wird. Oft sind es beeindruckende Zeugnisse von Mut und Standhaftigkeit.
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