Hans Christian Andersen (1805 - 1875) -
Das häßliche junge 🦆 Entlein
Es war so herrlich draußen auf dem Lande! Es war Sommer, das Korn stand gelb, der Hafer grün, das Heu war unten auf den grünen Wiesen in Schobern aufgesetzt, und der Storch ging auf seinen langen, rothen Beinen und plapperte ägyptisch, denn diese Sprache hatte er von seiner Frau Mutter gelernt. Rings um die Aecker und die Wiesen waren große Wälder, und mitten in den Wäldern tiefe Seen. Ja, es war wirklich herrlich da draußen auf dem Lande! Mitten im Sonnenschein lag dort ein altes Landgut, von tiefen Kanälen umgeben; und von der Mauer bis zum Wasser herunter wuchsen große Klettenblätter, die so hoch waren, daß kleine Kinder unter den höchsten aufrecht stehen konnten; es war eben so wild darin, wie im tiefsten Walde.
Hier saß eine Ente auf ihrem Neste, welche ihre Jungen ausbrüten mußte; aber es wurde ihr fast zu langweilig, ehe die Jungen kamen; dazu erhielt sie selten Besuch; die andern Enten schwammen lieber in den Kanälen umher, als daß sie hinauf liefen, sich unter ein Klettenblatt zu setzen, um mit ihr zu schnattern.
Endlich platzte ein Ei nach dem andern; "Piep! piep!" sagte es, und alle Eidotter waren lebendig geworden und steckten den Kopf heraus.
"Rapp! rapp!" sagte sie; und so rappelten sich Alle, was sie konnten, und sahen nach allen Seiten unter den grünen Blättern; und die Mutter ließ sie sehen, so viel sie wollten, denn das Grüne ist gut für die Augen.
"Wie groß ist doch die Welt!" sagten alle Jungen; denn nun hatten sie freilich ganz anders Platz, als wie sie noch drinnen im Ei lagen.
"Glaubt Ihr, daß dies die ganze Welt sei?" sagte die Mutter; "die erstreckt sich noch weit über die andere Seite des Gartens, gerade hinein in des Pfarrers Feld; aber da bin ich noch nie gewesen!" - "Ihr seid doch Alle beisammen?" fuhr sie fort und stand auf.
"Nein, ich habe nicht Alle; das größte 🥚Ei liegt noch da; wie lange soll denn das dauern! Jetzt bin ich es bald überdrüssig!" und so setzte sie sich wieder.
"Nun, wie geht es?" fragte eine alte Ente, welche gekommen war, um ihr einen Besuch abzustatten.
"Es währt so lange mit dem einen Ei!"
(...)
...Er war allzu glücklich, aber durchaus nicht stolz, denn ein ❤️gutes Herz wird nie stolz! Er dachte daran, wie er verfolgt und verhöhnt worden war und hörte nun Alle sagen, daß er der schönste aller schönen Vögel sei. Selbst der Flieder bog sich mit den Zweigen gerade zu ihm in das Wasser hinunter, und die 🌞Sonne schien so warm und so mild! Da brausten seine 🦢 Federn, der schlanke Hals hob sich, und aus vollem Herzen jubelte er:
"So viel Glück habe ich mir nicht träumen lassen, als ich noch das häßliche 🦆 Entlein war!"
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Ein Märchen über Minderheiten/Aussenseiter, die von ihren Mitmenschen drangsaliert und ausgegrenzt werden, sich aber zu guter Letzt als etwas besonderes in all ihrer Pracht entpuppen. Andersen selbst war zeit seines Lebens ein Aussenseiter. Seine Märchenwelt spiegelt seine eigene innere Verfassung wieder, die Hoffnungsträger für alle ist, die schwer unter dem Drangsal ihrer Mitmenschen leiden.
🦢Schwäne sind ganz besondere Tiere:
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